»Ich habe geschworen, ja, so zu bleiben, wie's die heilige Kunst von mir verlangt! Und ich halte meinen Eid, auch wenn du selbst mich in Versuchung bringst! Wenn das die Kunst von mir verlangt, so bin ich unwürdig, ihre Dienerin zu sein! Sie verlangt's aber nicht! Und du auch nicht! Du willst mich nur prüfen!«
Da packte er sie wieder und bedeckte ihr Gesicht mit den leidenschaftlichsten Küssen.
»Zum Teufel mit der Kunst«, rief er, »was ist mir die Kunst?! Das Leben will ich, dich will ich, weiter nichts! Und du mußt — du willst es ja — du liebst mich! Tausendmal hab' ich's dir aus den Augen gelesen! Komm, sei mein —— gib dich mir — Baberina!«
Da wußte sie, daß das keine Prüfung war, ob sie ihrem Eid treu bleiben wolle oder nicht! Sie fühlte, daß er sie betrogen hatte — daß er sie der Welt gegenüber bewahrt hatte, bloß um sich selbst ihres Besitzes zu erfreuen! Mit verbundenen Augen hatte sie sich von ihm bis dicht an den Rand eines Abgrundes führen lassen, und jetzt war ihr auf einmal die Binde von den Augen gerissen! Sie sah, wo sie war! Sie wußte nicht mehr, wohin — wußte nur, daß sie schnell zurück mußte, um ihr Leben zu retten! Und mit Aufbietung ihrer letzten Kraft riß sie sich los, stieß ihn von sich und floh, so schnell, daß er sie nicht mehr zu hindern vermochte! Sie kam in höchster Aufregung nach Hause und teilte ihrer Mutter mit, sie hätte das Tanzen aufgegeben, sie hätte es jetzt satt und wollte nunmehr den Schleier nehmen und den Rest ihrer Tage im Kloster verbringen!
Fossano stand allein und stampfte vor Wut. Er war ärgerlich über sich selbst! — Er war zu schnell vorgegangen! Trotz aller Behutsamkeit war die Enthüllung zu jäh gekommen, und er hatte das Wild verscheucht!
Jetzt würde das Einfangen doppelt schwer werden!
Er würde aber nicht von ihr lassen! Was hieß das auch, so vor ihm davonzulaufen? War er nicht Fossano, dem alle Weiber nachstellen — der nur die Hand auszustrecken und zu winken brauchte, damit sie ihm an den Hals flogen?! Und jetzt diese Sprödheit, dies dumme Getue, als wäre sie Gott weiß was! Die blöde Person! Er hatte die Gnade haben wollen, sie zu sich emporzuheben — und die Gnade sollte ihr zuteil werden, ob sie wollte oder nicht! Er würde ihr schon zeigen, wer er war!
5
Am folgenden Tage trat er bei der Domina Campanini ein, die ihn mit bangen Fragen empfing und sich in lauten Klagen über das veränderte Wesen ihrer Tochter erging.