»Aber so heiratet sie doch!«
Er lachte laut auf.
»Ich — und heiraten! —— Ein Künstler wie ich — und heiraten! Wo würde das hinführen? Ein Künstler muß frei sein — eine Künstlerin erst recht! — Kein Band, keine Fessel darf sie da hindern! Wenn ich Babara zu meiner Geliebten mache, so denke ich gar nicht daran, ihr Fesseln aufzuerlegen oder sie auf die Dauer zu binden. Frei will ich sie haben — ich will ihr jetzt die Augen öffnen — ich will sie nicht mir geben, sondern ich gebe sie sich selbst, damit sie sieht, was sie ist, und was sie soll, und wie sie es anzufangen hat, um durchs Leben zu kommen.
Die Tugend, Signora, ist gut, aber nur für einige Zeit! — Die Keuschheit auch, solange die Seele noch knospt. Wenn sie zur Entfaltung drängt, dann muß ihr Gefäß, der Körper, mit, sonst erstickt sie und verwelkt — oder die Natur nimmt sich ihr Recht, bricht plötzlich durch und vernichtet in einem jähen Aufbrausen der Leidenschaft Körper und Seele!
So weit ist Eure Tochter jetzt — jetzt steht sie am Wendepunkt, wo's heißt vorwärtskommen oder zurückbleiben. Wenn sie sich da der behutsamen Leitung eines erfahrenen Lebenskünstlers wie mir vertraut, dann ist sie geborgen, dann liegt ihr die Welt offen — dann braucht sie nur die Hand auszustrecken, um über Pracht und Glanz und alle Reichtümer der Welt zu gebieten! Das will ich ihr geben — dazu will ich sie führen, nie und nimmer aber sie gefangensetzen und als mein Eigentum begraben! —— Aber — sie will anscheinend nicht — sie hat Angst, sie vertraut mir nicht genug. Und ich muß ihr äußerstes Vertrauen haben — dann erst kann ich aus ihr die große Künstlerin machen, die zu werden ihre großen Gaben sie berechtigen, wenn sie mir folgt.«
»Sie soll«, sagte die Domina, die allmählich ihre Fassung wiedergefunden hatte,»sie soll nicht ihr Glück zurückweisen dürfen. Ich werde noch heute mit ihr reden, und dann werdet Ihr selbst mit ihr sprechen —— und morgen zieht Ihr zu uns!«
»So ist's recht«, sagte Fossano, »es freut mich, daß Ihr vernünftig seid! Als meine Geliebte wird sie mit nach Venedig gehen, sie wird da Triumphe feiern. Dann bringe ich sie nach Paris — im nächsten Winter trete ich da auf! — Sie wird bei Hofe tanzen! — Und Ihr geht mit, Signora — Ihr helft mir über sie wachen — Ihr werdet auch Eure Freude daran haben — Ihr werdet Euren Lebensabend ohne Sorgen verbringen! — Erst muß sie aber voll und ganz Mensch werden! — So, wie sie jetzt ist, kann sie nirgends Erfolg haben — Ihr fehlt noch das bewußt Sinnliche, das allein in der Kunst mitzureißen vermag! In ihrer Erziehung fehlt noch die Entschleierung des Fleisches — die Entfesselung der Leidenschaft, aber so, daß man sie bändigt, eindämmt, der Vernunft botmäßig macht! —— Sie soll ihr Leben genießen, aus dem vollen schöpfen, aber nie den Kopf verlieren! — Ehrgeizig muß sie werden, nach Macht muß es sie gelüsten, aber nie und nimmer darf sie in süßer Schwärmerei schwelgen oder im ruhigen Wohlleben hinduseln, denn dann ist sie verloren. Sie so weit zu bringen, soll der Lohn meiner Mühe sein — dafür scheue ich kein Opfer an Zeit und Geld. So will ich sie erziehen, aber so kann ich nur meine Geliebte erziehen!«
»Geht, Signore — tut's — macht mein Kind glücklich! Meinen Segen habt Ihr! Noch heute rede ich mit ihr! Noch heute mache ich Eure Wohnung bereit. Und morgen zieht Ihr hierher!«
Fossano ging. Vergnügt trällernd schlenderte er die Straße entlang nach seiner Wohnung.