»Eine Dirne ist sie, die mit aller Welt buhlt! Soeben habe ich sie mit einem anderen überrascht — einem dummen Jungen, der nichts ist — der nichts hat als ein fades Gesicht und ein paar hübsche Beine — einem ganz gewöhnlichen Tänzer! Ich habe ihn aber krumm und lahm geschlagen!«
»Daran habt Ihr recht getan, Signore! Hättet Ihr ihr nur auch ihren Teil gegeben! Aber dem entgeht sie nicht, die Nichtswürdige! Ich werde ihr schon den Text lesen!«
»Ich kann mir das denken! Alte Kupplerin!«
»Das sagt Ihr mir? Das muß ich mir von Euch bieten lassen! Das ist zuviel! Ich — eine Kupplerin! Und mein Kind — mein eigenes Kind werde ich wohl verkuppeln? Habe ich das nötig?«
»Nein. Dafür scheint sie schon selbst sorgen zu können! Du hast aber nötig, auf sie aufzupassen! Und das mußt du mir bei allen Heiligen schwören! Sonst gehe ich geradeswegs von hier zu der Bandolini und schreibe ihren Namen in den Vertrag, und Babara geht nicht mit nach Paris. Sie mag dann selbst sehen, wie sie vorwärts kommt! Wenn sie glaubt, auf den Schutz Fossanos verzichten zu können — mir ist's recht! —— Will sie aber mit, so mußt du schwören! —«
»Ich schwöre ja — ich schwöre ja! — Habe ich mich denn geweigert? Ich werde schon auf sie aufpassen! Wie ein Drache werde ich sie bewachen! Alles tue ich, was Ihr nur wollt!«
»Nun, dann werde ich Gnade für Recht ergehen lassen!«
Fossano setzte sich an den Tisch, nahm einen Federkiel und kratzte ein paar Worte in das Papier hinein.
»Demoiselle Barberini«, sagte er — »so wird sie künftig heißen! — Das >r< fügen wir hinzu! — Das macht sich besser als Künstlername! Sie wird Furore machen, Demoiselle Barberini. — Sie wird es unter meiner Führung! Leicht wird's nicht werden. Die ersten Tänzerinnen der Welt sind da, an der Pariser Oper, die Camargo — die Sallé — die Mariette — da wird sie einen schweren Stand haben! Wenn ich aber will, fallen alle Hindernisse! Und ich will! Aber Ihr kennt die Bedingung!«
»Verlaßt Euch nur auf mich —— das könnt Ihr — — wirklich, das könnt Ihr!« sagte die alte Domina und geleitete ihn unter tausend Komplimenten zur Tür! Das könnte er auch.