»Auf einmal dürfen wir sie nicht besichtigen! — Sie sind spinnefeind miteinander! Eure Exzellenz lieben ja mehr den seriösen Tanz, nicht wahr?«

»Allerdings! Ich bewundere die Majestät der Sallé! Aber die schönen Augen der Camargo versöhnen mich auch mit ihrer ausgelassenen Tanzart!«

»Exzellenz gefallen sich in der Rolle des Paris?!«

»Ich gesteh's! Ich wüßte aber nicht, wem ich den Schönheitspreis zusprechen sollte! Ob Juno, ob Minerva —«

»Also der Reihe nach! Ich lasse Madame Sallé bitten!«

Der Türsteher ging hinaus und machte gleich nachher beide Flügeltüren auf.

»Madame Sallé!«

Herein schwebte in üppiger Majestät die Prima-Ballerina der Oper, die weiten Reifröcke graziös wiegend — die Spitzenmantille fest um den üppigen Busen zusammengenommen — die Mimik in einem spöttisch-ironischen Lächeln kulminierend — die Augen schmerzlich unter sanft zusammengezogenen Brauen blickend — die ganze Erscheinung voll ebenso verletzter wie unnahbarer Würde.

Sie segelte an dem sich galant verbeugenden d'Argenson vorbei, beantwortete seinen Gruß mit einer sanften Biegung des Kopfes und blieb vor dem Prinzen stehen, öffnete wiederholt die Lippen, um zu markieren, daß sie keine Worte finden könnte, und schlug mit ihrem Fächer ein paarmal ungeduldig in ihre linke Hand. Sie war anscheinend aufs höchste empört!

»Blicken Sie mich nicht so ungnädig an, Madame« — fing der Prinz an, ergriff ihre Hand und führte sie an die Lippen. »Sie sehen mich äußerst besorgt über die harte Notwendigkeit, die mich zwang, Sie warten zu lassen! Aber wir Großen der Erde sind geplagte Geschöpfe! — Die Wünsche unseres Herzens müssen wir leider den Forderungen der harten Pflicht hintansetzen. Ich hatte mit Seiner Exzellenz Staatsgeschäfte von größter Wichtigkeit zu besprechen!«