»Mon Dieu, wie respektlos! Die Krone ist doch keine Nachtmütze! — Der König wird aber gnädig sein — sie wird Gnade vor seinen Augen finden, und wir auch! — Der Kardinal ist schon alt — der König muß einen neuen Staatsminister haben! Wer weiß, Marietta — wenn uns das Glück hold ist — vielleicht werde ich bald imstande sein, dir ein Marquisat zu besorgen!«
Er küßte ihre Stirn.
»Aber hübsch ruhig sein! — Mir nie mit Eifersucht kommen, so sehr ich auch für andere inkliniere! — Das geschieht alles nur wegen der Karriere! Laß mich meine Pläne verfolgen — kümmere du dich um meinen Hausstand und die Kinder, und du sollst sehen, ich kaufe dir ein Marquisat! Parole d'honneur, ich tu's! Und von deinen Söhnen kriegt jeder ein Regiment! Deine Tochter verheirate ich mit einem Grafen! Inzwischen nimm — nimm dies alles —«
Er zog das Fach seines Sekretärs auf, wo er den Erlös des gestrigen Spiels hineingetan hatte, und leerte den Inhalt in ihren Schoß.
»Nimm! Kauf dir alles, was du magst — verschwende — fühl dich reich, damit du einen Vorgeschmack bekommst! — Wenn du mir nur nicht in die Quere kommst — wenn du mir nur keine Szenen machst! — Dann wirst du's staunend erleben, wie der alte Glanz hier wieder heimisch wird! Dann mache ich all die Holzbaracken draußen um den Garten herum dem Erdboden gleich und mache es wieder gut, daß ich dem Schwindler Law gegen schnödes Geld erlaubte, sie zu errichten! Geld, das er mir noch schuldig ist! — Dann lasse ich die Gärten im alten Umfang und alter Herrlichkeit wieder auferstehen — wie sie einst waren, als Katharina von Medici nach den Mühen des Tages drinnen lustwandelte! — Dann jage ich die Spieler und Wucherer hinaus und fege das Pack in den Rinnstein! — Dann, Marietta — dann —! Aber jetzt gib mir einen Kuß! — Und nun: — still sein, lächeln — was auch geschehen mag! — Du verstehst? — Du bist doch brav! — Du wirst dich tapfer halten? —— Noch einen Kuß! — Aber die Zeit eilt! Ich muß fort! — Au revoir, ma chère! Au revoir!«
Er setzte kokett den Hut auf den Kopf und trippelte graziös auf seinen hohen Absätzen hinaus — zwischen zwei Reihen gekrümmter Lakaienrücken zur wartenden Staatskarosse, um nach Versailles zu fahren und dem König von seiner neuesten Akquisition vorzuschwärmen.
Marietta blieb allein. Von Zeit zu Zeit nahm sie eine Handvoll Gold auf, ließ es durch die Finger auf ihren Schoß niederrieseln und freute sich der Musik des klirrenden Metalls, das die Welt beherrscht.
8
Es war die Zeit der ersten Mätressenschau im Leben des fünfzehnten Ludwig.