Das königliche Glücksschiff hatte, nach anfänglichem Zögern, den Hafen der ehelichen Treue verlassen und trieb noch etwas unsicher und ohne Führung auf dem Meere Kytheres umher.

Bange Ungewißheit hatte den Sinn der getreuen Untertanen ergriffen. Würde es, nach glücklicher Lustfahrt, mit Ehren und Ruhm reich beladen, in den schützenden Hafen zurückkehren oder, von ungeschickter Hand gelenkt, kläglich scheitern?

Jeder fühlte sich berufen, hier die Führerschaft an sich zu reißen! Ehrgeiz und Eigennutz waren am Werke; Neid und Verleumdung ebenso. Ein erbitterter Kampf im dunkeln wurde zwischen den verschiedenen Parteien geführt — Kabalen wurden gesponnen — Intrigen entlarvt. Denn die Frucht des Sieges war auch der Mühe wert. Wer es vermochte, die Lenkstange an sich zu reißen, dessen Wille beherrschte die Fahrt. Ein unmerklicher Druck der Hand war imstande, das Ziel zu verrücken und das allgemeine Interesse in die Bahn des Einzelvorteils zu steuern.

Das Schlafzimmer des Königs war die Brutstätte der allerhöchsten Entschließungen, denen Frankreich — und, wenn's gelang, die ganze Welt — zu gehorchen hatte. Wer da der Trägheit des Königs die Mühe des Entschlusses möglichst schmerzlos — das heißt: möglichst unmerklich — abzunehmen verstand, hatte gewonnenes Spiel.

Es galt also, die geeignete Person vorzuschieben, ohne den Argwohn des Königs zu wecken, und sie nachher, ohne Eklat, zu beeinflussen.

Der hohe Adel, dessen ausschließliches Prärogativ es gewesen war, das heiß umstrittene Amt einer königlichen Mätresse zu besetzen, hatte schon ausgespielt. Zu mächtig und einflußreich durch seine allumfassenden Familienverbindungen, hatte der Adel wohl nicht die nötige Vorsicht walten lassen und längst das Mißtrauen des Königs geweckt.

Durch Verschwendung und Vergnügungssucht geschwächt, hatte der Adel schon angefangen, einen Teil seiner Macht den der reich gewordenen Bürgerschaft entstammenden Generalpächtern, Armeelieferanten und anderen Finanzgrößen abzutreten, deren Töchter — durch vollendete Erziehung den Damen der Gesellschaft gleich, durch adlige Heiraten hoffähig — nun auch den Wunsch bemerkbar werden ließen, an dem Wettrennen um die königliche Gunst teilzunehmen.

Der Wunsch des Königs, sich dem Ränkespiel der Höflinge zu entziehen, und wohl auch eine gewisse Übersättigung und ein Drang nach Abwechselung kamen ihnen da entgegen.

Mit Schrecken nahm es der Hochadel wahr!