Entschlossen trat sie in das halbdunkle Vorzimmer. Lautes Stimmengewirre und übermütiges Lachen aus jungen Kehlen klang hinter einer der Türen. Jetzt hörte sie einen sagen, einen mit einer kreischenden Stimme:
»Na, was ist's denn mit 'm Geld, Rudolf? Rührt sich deine Alte noch allweil nit?«
»Weiß der Kuckuck!« darauf Rudolfs tiefe klangvolle Stimme. »Ihr Bankier scheints, ist auf einmal knauserig wordn!«
Unter dem »Bankier« verstand er offenbar ihren Vater oder gar – sie! Ein schneidendes Weh ging für einen Augenblick durch ihre junge Seele. Dann aber erstarrte alles in ihr im zornigen Trotze. In diesem Gefühle trat sie entschlossen ein – hochaufgerichtet, starr. Die ganze Gesellschaft schien zum Ausgehn fertig und empfing sie mit mehr verlegenen als staunenden Blicken und einem kaum unterdrückten »Ah!«
Rudolf stand einige Augenblicke verblüfft und verwirrt da. Dann griff er nach der zierlichen Studentenmütze und stotterte:
»Fräulein Christine – was verschafft mir ...«
»Ich habe mit Ihnen zu sprechen, Herr Frühbach, und zwar allein!« Das klang so bestimmt, mit so viel verhaltenem Zorne in der Stimme, daß die vier fünf Herrchen nach einigen unbeholfenen Worten verdutzt abzogen.
Erst draußen im Vorzimmer fielen in taktlos lauter Art einige anzügliche Bemerkungen, die Christinen das Blut in die zornbleichen Wangen trieben.
Rudolf hatte rasch aber mit unverhohlenem Widerwillen seinen Ueberrock abgelegt und lud die ungebetene Gastin mit einer gezwungenen Handbewegung zum Sitzen ein. Sie lehnte ab.
»Ich komme von Ihrer Mutter. Sie haben von ihr Geld entlehnt und fordern für die Weihnachten neuerdings Geld und zwar unter dem Vorwande, krank zu sein und Ehrenschulden ...«