Förster: Nein, Fräulein Gisela, das ist gegen die Instruktion, die ich von dem Jung Herren empfangen hab: Niemand sehen lassen, was er da für ...

Gisela: Eine arme Hexe hat. Also brauch ich keine Krücken. Ich betrübe mich nicht mehr damit. Ach wißt Ihr nicht noch eine Geschichte von so Narrenwerk und dem Junggrafen? Einmal habe ich es ja gehört. In der Nacht der Schrecken!

Förster: Auch da noch Narrenwerk! Das macht ihm keiner nach. Er wußte eben nicht, in welchen Leiden Ihr waret.

Gisela: O doch. Zuerst nicht. Da preßte ich noch die Lippen zusammen ... Nichts merken lassen ... ich schämte mich so. An dem verbrannten Fuß, an dem Gewölbe, an den Streifen an meinen Händen. Nur die hat er gesehen. Ach und da fing das Narrenwerk an. Wie die Gespenster flogen wir dahin. Und er immer seine Lippen an meinem Kopf und so Worte, so Narrenworte. Wie die Streifen wieder heil würden, daß man sie gar nicht sähe und wie es Perlenarmbänder gäbe und wie die Damen an des Kaisers Hof in Wien sich rote Streifen an die Hände malen ließen, weil es so Mode würde, wenn sie mich sähen. Und ich müßte keine Angst haben, es gehe jetzt nicht gleich nach Wien, nur nach einem Schloß Schweigen, wo kein Mensch hinkomme, oder je hingekommen wäre, weil es hundert Geister dort gäbe. Mir täten sie aber Nichts, denn es sei ein älterer Kavalier dort, der sich als Förster verkleide, und der würde mich vor allen Geistern beschützen.

Förster: So! hat er das gesagt: Kavalier! Ja, der weiß Narrenwort!

Gisela: Dann wurde er still, dachte vielleicht, er dürfte nicht mehr mit mir reden, weil ich keine Antwort gab. Ach! Dann habe ich ihn betrübt ... Wie ich die Stimme nicht mehr hörte und nur den festen Arm um meinen verbrannten Rücken fühlte, und das Dahinrasen und das Stoßen von den Hufen des Pferdes durch meinen Leib hindurch ..., Förster, wenn man an Schmerz sterben könnte, so wär ich gestorben.

Förster: Um ein Haar wärs so gegangen.

Gisela: Und ich hörte die Stimme nicht mehr, da wirbelte mir der Kopf von dem Dahinfliegen, da meint ich, ich sei wieder in dem Gewölb und da sei diesmal kein Weib, sondern ein Mann an mir und stieße mich auf eine Leiter, solche Dinge, die sie in der schrecklichen Kammer dort haben.

Förster: O du Hexenjammer!

Gisela: Schon vorbei. Ach sagte ich, bist du nicht der schöne Jüngling Tod? Der wollte mich unter die Sterne bringen, warum stößt mich der Henker denn immer wieder auf die Leiter? Da hielt er das Pferd an, da fiel der Mond in sein Gesicht —, da war es wieder der schöne Jüngling Tod, und Mond, und süße Waldeslüfte. Da sah ich auch, daß ich ihn betrübt hatte: Ach verzeih, schöner Jüngling Tod; rede doch mit mir, nur ein Wörtlein! Daß ich dich kenne und dich nicht mehr betrübe. Da war mirs, als weinte irgendwo ein Kind ... ein Knabe, ganz hell weinte der ... Jemand sprach von krähenden Hähnen. Jemand sollte mir Wasser holen. Das ist eine Pein! Um einen Tropfen Wasser ... Man gibt den Hexen nicht gern Wasser ... Lieber verschütten ... Laßt sie jetzt noch liegen ... Der, dem sie gehört, wird sie sich schon holen — das war wohl der Knappe, der das sagte. Wer war es denn, der so weinte!