Förster: Der Junggraf wars. So hat der geweint da unter dem Lindenbaum, wie er Euch hat schreien hören.
Gisela: Ich schreie nie mehr. Warum war ich so ungeduldig! Dann gab mir der Knappe doch das Wasser ...
Förster: Und Ihr hättet gesagt: Das hast du dem Herrn Jesus getan. Der ritt jetzt um die Welt für Euch, in Stücke hauen ließ er sich für Euch. Und wenn die eine Hexe ist, will ich mit der in die Hölle fahren, wo die hinkommt, dorthin! Wär aber ein viel zu guter Platz für ihn, meint er.
Gisela: Und dann ritten wir wieder, und wieder die Lippen an meinem Kopf und leise Worte ... Narrenworte. Er sei nicht der schöne Jüngling Tod, aber der ritte hinter ihm, ich solle nur keine Angst haben. Wenn es durchaus der Jüngling Tod sein müsse — der ritte hinten ... er höre die Hufe seines Pferdes hinten aufschlagen. Und wie leid es ihm wäre, daß er nur ein närrischer Grafensohn sei, denn mit dem Jüngling Tod wäre ein feineres Reiten. Der hätte keinen harten Arm, einen weichen Flügel hätte der, und keinen immer heruntergleitenden Mantel, einen dunkeln weichen Schleier, da hüllte er mich darin ein und flöge mit mir über alle Feldwege und stolprige Baumwurzeln hinweg, hinauf durch die weißen Nachtnebel zu goldenen Sternen, in Christi Garten hinein, mitten hinein, wo es am schönsten ist, und legte mich in ein Bett von roten Rosenblättern und meinen armen Kopf auf ein Kissen von weißen Rosen, und in jeder Rose sei immer ein Perlentröpfchen. Und darüber neigten sich Hollunderzweige voll mit Blüten und da säßen Nachtigallen darauf und sängen die schönsten Lieder der Welt. Und in allen Liedern käme Etwas vor von Mägdlein mit goldenen Haaren, die noch lächeln könnten und Verzeih! sagen, wenn sie wilde Männer auf Leitern stießen. Und von Mägdlein, die auf hartem Schragen lägen, schneeweiß und so vertrauende Hände ausstrecken nach Söhnen von Mördern, die da herein kämen. Und nicht einen Augenblick denken, die kämen, um sich an ihrem Jammer zu weiden. Gleich wüßten die Paradiesesmägdlein, daß der Sohn des Mörders komme, um sie zu retten. Und nicht weinen würden die Mägdlein und nicht jammern und sich fürchten, und das sängen Alles die Nachtigallen ...
Ach und noch viel mehr! Kein Wort hab ich vergessen, keines. Förster, versprecht mir, wenn ich tot bin, so sagt ihm, ich hätte keines vergessen. Und jedes Wort hielte ich in meinem Herzen wie seine Paradiesesrosen die Perlentröpfchen. Und dann ging es weiter von Mördern und Kinderquälern und die müßten nicht in die Hölle hinunter. O nein! Auf wilden Pferden müßten die reiten, auf Feldwegen, über Baumwurzeln reiten bis zum jüngsten Tag. Aber nicht so stolz wie wir, ein ganz Schlimmer hielte die in einem feurigen Arm. Und wenn es vergessen würde, daß da Steine wären, worauf die Hufe auch einmal ausgleiten könnten, so wolle er es dem ganz Schlimmen schon sagen ... Nein, es geschähe auch denen Nichts! Vielleicht habe ich gerufen: Nicht weh tun: keinen feurigen Arm denen — denn so ein feuriger Arm, ach das wußte ich, wie das sei. Nein ... auch die nicht, weil ich für sie gebeten hätte, so kämen sie los und kämen alle in ein frisches Bett. Zwar nicht auf Rosenblättern, denn Christi Garten wäre Nichts für die, aber doch ein weißes Bett. Und der Jüngling Tod sei nicht nachgekommen, so schnell seien wir geritten; der sitze gewiß bald auf der Linde dort und singe mir Lieder ... wieder von Mägdlein, und wenn er am allerschönsten Lied sei, so schlafe ich darüber ein. Niemand könne einen so schön in Schlaf singen wie der Jüngling Tod. Und mir sänge er die schönsten Lieder, alle von Christi Garten!
Da hatte er mich schon auf dies Bett gelegt hier. Und nun müsse er gehen, weil ich schlafen sollte und ganz still liegen und auf die schönen Lieder horchen, und wenn ich noch mit Christi Garten — der sei mir doch sicher — warten wolle, bis er wieder käme, so wäre es das Schönste, was ich tun könnte — weil es das Schwerste sei. Und die schweren Dinge, da sei immer am meisten Ehr dabei; und das wäre, was sich für eine Hohenstaufenenkelin geziemte. Und es gehöre mir das Schloß mit Allem, was darin sei, dem Kavalier, der sich als Förster verkleide und in einer Friesjacke herumlaufe, mit den Geistern, und mit Allem könnte ich tun, was ich wollte. Ach und nun warte ich immer noch! Und wenn ich zu krank war, ihn zu sehen, nun bin ichs nicht mehr.
Förster: Kann nicht sein ... Bin dem alten Grafen auch Etwas schuldig ...
Gisela: Was würd ich dem Grafen damit antun?
Förster: Gräfin Gisela, ich erzähl Euch noch eine Geschichte von so Narrenwerk.
Gisela: Förster, ich dank Euch, ist das schön, schier so schön wie im Löwen, wenn jetzt noch der Feldmann dabei wär!