Graf Heinz: Sag ihr, daß es Perlenarmbänder gebe.

Engela: Ich glaube nicht, daß sie die will — sie sagt, deren schäme sie sich vor Gott und Menschen nicht.

Graf Heinz: War nicht eine Hand schlimmer wie die andere —

Engela: Die Rechte, wo der Knoten von den Stricken war. O ich fürchte mich, Eure Augen geben einen Schein im Dunkeln.

Graf Heinz: Ist nicht gut daran zu denken — an so feine vertrauende Hände und Stricke darum — Engela, geh zu Bett. Sei froh an den Geistern, die du hier hast, im Schloß Brauneck da gehen Geister! Das Blut in den Adern machen die erstarren. Ein Mägdlein soll man sehen, schöneres habe es nie gegeben, mit zusammengebundenen Händen, und einen Schrei soll man hören dort wie von der süßesten Stimme der Welt, die immer noch schön wäre und wenn es klänge wie zerrissene Saiten. Immer auch die Saiten noch von Gold. Immer auch der schrille Klang von goldenen Saiten, und dann klängen sie aus — in einen Hauch von Weh, als sängen alle Nachtigallen und Schwäne ihr Leid, ehe sie sterben ... Geh jetzt, Engela, ich muß auf den Regen horchen ... Also keine Perlen-Armbänder! Sie will keine, sie braucht keine, sie bekommt keine. Ich sterbe noch als reicher Mann —

Engela: Goldene Schuhe (sie geht).

Graf Heinz: Gute Nacht! Goldene Schuhe? Warum goldene Schuhe! Wenn sie keine Perlen-Armbänder will! Soll sie haben, die goldenen Schuhe! Wenn es die gibt; aber warum goldene Schuhe? Daß man leben muß in Geisterschlössern! Wer sagt müssen! Man könnte den alten Herrn bei seinen Geistern lassen! Die könnten ihm Geschichten erzählen von weißen Mägdlein mit so vertrauenden Händen, um die rote Streifen gehen, und von einem Narren von Sohn, den er einmal gehabt. Viel sei nicht an dem Narren gewesen, er hatt aber nur den einen, so wars eben besser wie gar keiner. Möchte wohl wissen, wie lang ers aushielte mit der Geister-Kumpanei. Ist ihm jetzt schon nimmer ganz wohl! Aber immer noch viel zu wohl als für seine alte Seel gut ist.

(Der Förster kommt die Treppe herauf.)

Förster: Ach junger Herr, so im Düstern sitzen, kommt doch herunter in die Erkerstube.

Graf Heinz: Ganz schön im Dunkeln da. Hör den Regen gerne rauschen, den Nachtwind um alte Türme schweifen. Man könnt eine Musik daraus machen, mit Allem, was es gibt, mit Violinen, mit Kontrabässen — und dazwischen ein Ton von goldenen Harfensaiten! Wie Nachtigallen, die sterben. Förster, sagt mir, warum goldene Schuhe?