Leiden: Ich bleibe auch bei dir, wenn du mich willst — doch du kannst zu mir sagen: Geh!

Gisela: Wie?

Leiden: Siehst du das kleine Scherlein dort? Es ist fein, schlank und spitzig ... auf dem Tischchen, sie habens da liegen lassen ... das Scherchen nimmst du in deine Hand, — dein Herz, es pocht, laut genug, du findest es, stoß zu, stoß fest zu. — Heut hast du noch die Kraft, morgen hast du sie vielleicht nicht mehr.

Gisela: Leiden?

Leiden: Du fürchtest den Schmerz nicht. — Was ist der kalte Stahl gegen die glühenden Dolche, die dich zerstechen, jede Minute. — Ich bleibe bei dir und halte dir den Kopf, bis es vorüber ist ... So streck dich aus, ich streiche dir dein wirres Haar aus der Stirne ... Nimm das Tuch zwischen deine Hände, daß keine Flecken kommen auf die seidene Decke, die Er dir geschickt hat. Hast du das Scherlein?

Gisela: Ich habs. —

Leiden: Es kommt ein Zucken, es kommt eine große Kühle, dein Kissen weicht unter dir — weg flieht der Schmerz — noch ein Schauder ... Nacht ...

Morgen früh finden sie dich. Sie jammern ein wenig. Die ist nun erlöst, sagen sie ... Sie muß es im Fieber getan haben. Die grobe Magd, die du fürchtest, sagt: Sie hatte so wilde Augen gestern Nacht ...

Dann ziehen sie dir dein silbernes Kleid an. Sie kämmen dir die goldenen Haare um deine schmalen Wangen, sie legen dir die blassen Hände unter die Brust — da wo der kleine Flecken ist.

Keine lauten Worte mehr um dich, leise Worte ..