Das Kind bringt Blumen, weiße Rosen auf deine Kniee, weiße Rosen für dein Haupt. Du bist noch sehr schön, Gisela, jetzt bist du noch sehr schön.

Es kommt der alte Mann, dessen Geheimnis es ist, daß er dich liebt wie die Tochter und das einzige Weib der Welt zugleich. Er sagt: Sie hat nicht gewußt, was sie tat. — Laßt sie in Frieden, das Kind Gottes.

Dann ists still um dich. Durch die offenen Fenster weht ein Windlein und hebt dir die Haare von der Stirne. Dann kommt noch die Abendsonne und fällt auf dein silbernes Kleid, und dein Haar glänzt wie gesponnenes Gold. Es kommt die Nacht, stärker rauscht die Linde. Eine Nachtigall singt ihr süßes Lied ...

Da kommt ein leiser Schritt die Treppe herauf ... Er.

Da steht Er und sieht dich daliegen in deinem silbernen Kleid. Vielleicht küßt er deine Stirne, vielleicht fällt eine Träne auf deine Hand — da wo der rote Streifen ist. — Vielleicht sagt er, wie in der Nacht der Schrecken: Holdseligste!

Dann tragen sie dich hinaus, nicht in den Garten, in dem die vielen Kreuze stehen, wo die Orgeltöne über die Fliederbüsche hinstreifen ... Du mußt verborgen sein, auch im Tod. Sie tragen dich in den Wald, in den Eichenhain. Sie graben dir dort dein Grab. Der alte Mann spricht: Wir übergeben deinen Leib der Erde. Er steht da und sieht, wie der dunkle Waldboden auf deinen schmalen Sarg fällt. Dann lassen sie dich allein.

Ueber den Eichen rauscht der Sturm, rollt der Donner, es fällt der weiße Schnee.

Es kommen die silbernen Glöckchen wieder hervor. Er kommt manches Mal. Er sitzt an dem kleinen Rain, der schon übersponnen ist mit weichem Grün, er streicht über die schwanken Gräser mit seiner Hand. Ich habe dir Nichts, keinen Stein, der den Tannen und Buchen da sagen könnte: Hier ruht die Holdseligste.

Dann geht er fort und kommt wieder mit dem Kinde und sie stecken die weißen Knollen in den Boden, und im nächsten Jahr stehen die Lilien da — viele, viele. Ihr süßer Duft umstreicht den Hain, die Schmetterlinge umschlagen sie mit den Flügeln ... der Wanderer, der vorüber geht, er sieht sie stehen im einsamen Wald, in weiße Seide und Gold gekleidet — herrliche Lieder Gottes. Er bricht sie nicht, er schauert — er wendet sich. Rings um dich her sind heilige, grüne Hallen, da fällt kein Schuß, da weidet das scheue Reh, da flüchtet es sich hin vor dem Gebell der Meute. Wenn der Schnee kommt, stecken da Kornbüschel für die hungernden Vöglein und Heu für das Wild.

Gisela: Leiden, das ist deine schönste Geschichte.