»Noch am selben Abend ist er dahin geschieden, und so lieb ich ihn hatte, so kann ich doch nur sagen: ›Wohl ihm, dem kleinen Fremdling, daß er daheim ist!‹«
Gretchen hatte tief bewegt zugehört, jetzt sah sie wieder auf den Hans und sagte: »Aber für den Schäfer-Hans tut's mir leid!«
»Ja, der hat viel an seinem Felix verloren, aber so einsam, wie er früher war, ist er jetzt doch nimmer, sein Vater ist bei ihm, gelt Hans?« Und der Hans trocknete seine Tränen und sagte ordentlich stolz: »Ja, und er bleibt ganz bei mir.«
»Ist das wahr?« fragte jetzt der junge Lehrer, »geht er im Frühjahr nicht mit den Schafen fort?«
»Nein, er hat's aufgegeben und Arbeit im Städtchen gefunden,« sagte Herr Baumann und indem er sich an den jungen Lehrer wandte, fügte er halblaut hinzu: »Es ist merkwürdig, wie der Mann glücklich ist, seit er weiß, daß sein Bub tüchtig ist. Gar nicht glauben wollte er's, als er im Herbst heimkam mit seiner Herde und ich ihn antraf und zu ihm sagte, sein Bub sei der beste Schüler in der Klasse. Seinetwegen hat er nun die Schäferei aufgegeben und so viel er kann, ist er nun daheim und ich hab's selbst gesehen, wie Vater und Sohn an einander hängen und wie die alte Großmutter noch einmal auflebt über der Freude; es ist rührend zu sehen, man trifft's selten so!«
Auf der Turmuhr draußen schlug's 12 Uhr.
»Jetzt müssen wir schließen,« sprach Herr Baumann; alle Kinder erhoben sich und beteten das Schulgebet:
»Nun geh'n wir aus der Schule fort,
Ach bleib bei uns mit deinem Wort,
Mit deiner Gnad und Segen
Auf allen unsern Wegen.«
Gretchen sprach es mit ihnen und freute sich, daß sie's noch konnte, dann gab sie den beiden Lehrern die Hand und wollte mit Emilie gehen. Da zupfte jemand an ihrem Kleid. Sie wandte sich um; die kleine Luise Seiz stand hinter ihr, sah ihr vergnügt ins Gesicht, hielt ihre Tafel in die Höhe und rief: »Kennst du sie noch?«
»Ist's noch dieselbe?« fragte Gretchen.