Luise nahm augenblicklich die Tafel wieder aus ihrem Ranzen, sah zu, wie Gretchen diese in den ihrigen schob und sagte ganz ergeben: »Ich hab' mir's schon gedacht.«

»Was hast du dir gedacht?«

»Daß es nicht dein Ernst ist.«

»Freilich ist's mein Ernst, ich frage gleich die Mutter, ich weiß ganz gewiß, daß sie's erlaubt.«

Luise schüttelte ungläubig den Kopf.

»Es ist immer so,« sagte sie und ging fort. Gretchen aber konnte es nicht ertragen, daß sie so traurig war und lief ihr nach.

»Was ist immer so?« fragte sie.

»Daß man einem etwas verspricht, und daß es dann nicht wahr ist.«

»Aber bei mir ist's nicht so.«

»Gerade so hat neulich des Müllers Mariechen gesagt, wie ich ihren Ball aus dem Brunnenloch geholt habe. Sie hat mir einen Apfel versprochen und hat mir doch keinen gegeben; und am Sonntag da habe ich unserer Nachbarin ihre kleinen Buben gehütet und einer hat mir die Schürze zerrissen. Sie hat gesagt, ich soll nicht weinen; sie gehe selbst zum Vater und sage ihm, daß ich nichts dafür könne und eine neue Schürze wolle sie mir auch geben. Aber sie ist nicht zum Vater gekommen, sie hat keine Zeit gehabt und den Stoff hat sie nicht gefunden, aus dem sie mir eine Schürze hat machen wollen. Es ist immer so.«