Pünktlich um vier Uhr trat Herr Baumann ins Zimmer und rief den Kindern freundlich zu: »So, nun packt eure Sachen zusammen, dann wollen wir sehen, was unser kleiner Künstler kann!«

Nun gab es ein großes Gepolter und merkwürdig schnell verschwanden diesmal die Tafeln und Federkästchen in den Ranzen; dann ward alles still – erwartungsvoll blickte die Schuljugend auf Felix Acosta.

Dieser stellte sich nun an die Türe, während Herr Baumann ihm gegenüber ans Fenster trat.

»Nun zeige, was du kannst,« rief er und warf dem Kleinen eine Kupfermünze zu. Herr Baumann hatte nicht weit genug geworfen, die Entfernung war groß und die Münze flog bloß über die Hälfte des Zimmers. Aber blitzschnell war ihr Felix entgegengesprungen und fing sie glücklich in seiner kleinen, verstümmelten Hand auf.

»Bravo, bravo,« riefen die beiden Lehrer, und Felix stellte sich wieder an die Türe.

»Nun will ich stärker werfen,« rief Herr Baumann und warf nocheinmal in einem weiten Bogen. Diesmal flog das Geldstück bis an die Türe, schlug an dieser an und prallte wieder ab, aber niemand hörte es fallen.

»Wo ist das Geldstück?« fragte der Lehrer.

»Hier,« antwortete Felix ganz ruhig und zeigte die Münze in seiner Hand. Er hatte sich so wenig bewegt, daß man gar nicht bemerkt hatte, wie er sie, von der Türe weg, aufgefaßt hatte.

»Nun probieren Sie's einmal,« sagte Herr Baumann zu dem jungen Lehrer. Dieser stellte sich an den Katheder, um von dort aus zu werfen. Er hob den Arm hoch und tat, als ob er sein Geldstück in alle Weite werfen wollte, warf es aber dann nur ganz leicht vor sich in die Höhe. Aber Felix Acosta hatte seine List gleich durchschaut, denn all dies war ihm schon gar oft vorgekommen. Mit einem Satz war er am Katheder und kam gerade noch recht, um die Münze aufzufangen. Nun war allgemeiner lauter Jubel bei den Kindern und ohne lange zu fragen, warf Gretchen aufs geratewohl ihre beiden Pfennige auf ein Mal dem Künstler zu. Dieser war aber auch an solche Überraschungen gewöhnt; er hatte sogleich mit jeder Hand einen der Pfennige gefaßt und reichte nun einen der beiden Gretchen wieder hin: »Dies gilt nicht, weil ich es habe gefangen mit der linken Hand. Wenn aber das kleine Fräulein so gütig sein will und noch einmal werfen, ich werde es fangen mit der Rechten.«