»Ja, ja; sie selbst wollte schon kommen nach Deutschland, als mein Vater gestorben war, aber der Herr hat sie nicht gehen lassen; er wollte auch mich behalten, aber er hat meiner Mutter auf ihrem Totenbett versprechen müssen, daß er mich hieher schickt.«

»Und weißt du auch, warum sie es so gewünscht hat?«

»O ja, sie hat es mir oft gesagt: Du sollst nicht so ein Leben führen, wie diese Leute im Zirkus, du sollst in meine Heimat, dort werden sie dich zu einem frommen, rechtschaffenen Mann erziehen.«

»Ja, das werden sie, liebes Kind! Wenn du nur selbst willst und der liebe Gott seinen Segen dazu gibt, so soll deiner Mutter Wunsch in Erfüllung gehen!«

Von diesem Tag an nahm sich der alte Lehrer treulich des kleinen Fremdlings an und suchte das Herz des armen Waisenknaben seinem himmlischen Vater zuzuführen.


Sechstes Kapitel.
Wo ist das Rohr?

»Heute könnt ihr euren Spruch schlecht,« rief der Lehrer, »nun sagt ihn noch einmal alle zusammen her, und wer ihn dann nicht allein kann, der soll's fühlen!« Bei diesen Worten schwang Herr Stein ganz unheimlich sein Rohr. Alle Kinder sagten nun im Chor den Spruch her: »Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgetan.«

»So, nun jedes allein, und daß sich keines einfallen läßt, dem andern einzusagen!« Jetzt wurde es ganz stille im Zimmer. Mit Herrn Stein war heute nicht zu spaßen, das merkten alle; dazu war's ohnedies heute so schwül im Schulzimmer, die Junisonne stach zwischen den Wolken hindurch.