»So ist's recht,« sagte Herr Baumann »und weil ich euch nun geholfen habe, singt ihr mir gewiß auch noch gerne ein schönes Lied. Fangt einmal an ›Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald‹.«
Herr Stein nahm seine Violine zur Hand, der Gesang begann und unvermerkt hatte Herr Baumann wieder das Zimmer verlassen.
Beim zweiten Vers legte Herr Stein seine Violine weg, die Kinder sollten ohne Begleitung weiter singen. Während sie aber sangen, ging Herr Stein um sein Pult herum, sah bald da, bald dorthin, es war deutlich zu sehen, daß er etwas vermißte. Keines von den Kindern bemerkte das so schnell wie Felix, der wußte gleich: Der Lehrer sucht sein Rohr. Sein Herz klopfte gewaltig. Es konnte doch eines der vielen Kinder gesehen haben, wie er das Rohr genommen und zum Fenster hinaus geworfen hatte.
Inzwischen hatten die Kinder den dritten Vers angefangen zu singen, es stimmte gar nicht mehr recht zusammen, denn Herr Stein achtete nicht darauf, er ging bald hierhin, bald dorthin, die Kinder wurden dadurch zerstreut, und immer mehr verstummte der Gesang. Nur der Schäfer-Hans sang noch fest drauf los; der merkte nichts von dem was vorging, denn wenn gesungen wurde, dann war er mit Leib und Seele dabei. Endlich aber konnte auch der Hans nimmer weiter singen, denn das Lied vom Kuckuck hat nur drei Verse.
»Wo ist denn mein Rohr?« fragte jetzt der Lehrer.
»Wie Herr Baumann herein gekommen ist, haben Sie es auf den Pult gelegt,« rief Gretchen.
»Freilich, aber da ist's ja nicht mehr, wer kann's weggenommen haben?«
»Vielleicht Herr Baumann,« meinte eines der Kinder.
»Ja, ja, der hat's mitgenommen,« rief nun eines der Mädchen und nun glaubten auf einmal viele der Kinder bemerkt zu haben, daß Herr Baumann ein Rohr in der Hand hatte als er hinausging.
»Gretchen, geh du hinüber und frage Herrn Baumann danach,« sprach Herr Stein.