Eine kleine Weile ging der Lehrer mit dem Knaben an der Hand still vorwärts. Man hätte meinen können, er habe das Kind ganz vergessen, denn er sprach kein Wort zu ihm. Aber von Zeit zu Zeit drückte er ihm die Hand, und Felix verstand die stille Sprache; er fühlte, der Lehrer war zufrieden mit ihm und das machte ihn glücklich, so glücklich, daß er nimmer länger so stumm dahin gehen konnte. Er ließ plötzlich des Lehrers Hand los, warf sein Mützchen hoch in die Luft und fing es wieder, sprang über den Graben hinüber und herüber und machte ganz erstaunliche Sprünge. Schließlich faßte er wieder ganz zutraulich des Lehrers Hand, sang ein spanisches Liedchen vor sich hin und ging mit ihm zurück ins Städtchen.
»Felix,« sagte nun Herr Baumann, »eingestanden hast du nun deinen Streich und um Verzeihung gebeten hast du auch, nun mußt du aber noch etwas tun, kannst du dir denken, was ich meine?«
»Ja, ich kann mir's denken, ich muß das Rohr wieder werfen hinein zum Fenster.«
»Muß denn das Rohr durchaus durchs Fenster?« fragte lächelnd Herr Baumann; »du könntest es wohl auch zur Türe hereinbringen.«
»Daran dachte ich nicht, ich werde es sogleich holen.«
»Ja, aber euer Schulzimmer ist geschlossen und Herr Stein ist nicht da, du kannst es in mein Zimmer bringen.«
Damit war Felix einverstanden. Er huschte in den Hof, wo es schon ziemlich dunkel war und kletterte wieder auf den Holzstoß. Das Rohr war nicht bequem zu erlangen und es ging nicht so still ab, wie das erstemal. Frau Semmelmeier, die alles sah und hörte, was vor sich ging, streckte ihren Kopf in Herrn Baumanns Zimmer und flüsterte geheimnisvoll:
»Er ist wieder drunten am Holz, der kleine Spanier, am Ende will er auch Ihr Rohr noch verstecken!«
»Nein, nein, Semmelmeierin, holen will er das Rohr und mir bringen, eingestanden hat er's und um Verzeihung gebeten!«