»Ich möchte ihm einen recht guten Kameraden wünschen, ein aufrichtiges, unverdorbenes Kind. Am besten wäre es, wenn einer mit ihm in die Stunden zu mir käme; aber die besseren Schüler brauchen keine Stunden und die schlechteren wollen keine, sind auch meistens sonst nicht viel wert.«

Herr Stein dachte nach.

»Einen wüßte ich, ein sonderbares Bürschlein. Er sieht mich die ganze Zeit so aufmerksam an, als wollt' er mir jedes Wort vom Mund lesen und schreibt seine Aufgaben so schön wie sonst keines; wenn ich ihn aber etwas frage, so bringt er keinen ordentlichen Satz heraus, es ist der Johann Zaiserling.«

»Ach so, der Schäfer-Hans, ja, der kleine Kerl sieht gutartig aus, schicken Sie mir ihn doch nachher einmal herüber, ich will einmal mit ihm reden. Und nun noch etwas, Herr Stein: hier ist Ihr Rohr, schonen Sie es auch, daß Sie nicht so oft ein neues kaufen müssen, es sieht schon recht abgeklopft aus!«

Der junge Lehrer nahm sein Rohr und ging. Er hat nie erfahren, daß das Rohr den Weg von einem Schulzimmer ins andere durchs Fenster und über den Holzstoß im Hof genommen hat.

»Komm heraus, Zaiserling, du sollst zu Herrn Baumann gehen,« rief Herr Stein, als Hans nach der Pause sich eben wieder an seinen Platz gesetzt hatte.

Hans trat vor, blieb aber an der ersten Bank, gerade neben Gretchen, stehen und sah Herrn Stein fragend an.

»Nun, hast du's nicht verstanden? Du sollst zu Herrn Baumann gehen.«

»Wo?« fragte Hans.

Gretchen mußte lachen, als dies einzige Wörtlein so langsam und ausgedehnt herauskam.