»Ein guter, warmer Winteranzug ist's, den ich ihm aus einem älteren vom Vater machen lassen will.«
»Das kann er brauchen, Mutter, denn bei ihm gibt's überall Löcher, aber am liebsten hätte ich ihm doch etwas von meinen eigenen Sachen geschenkt.«
»Nun, wenn du ihm zur Freude etwa noch eines von deinen Büchern geben willst, so habe ich nichts dagegen. Er ist ja so fleißig und kann's gewiß bald lesen.«
Das war nun ganz nach Gretchens Sinn und sie machte sich gleich eifrig daran, etwas Passendes für Hans auszuwählen. Dabei kam ihr ein Bilderbuch in die Hände, das sie schon lange nimmer angesehen hatte. Es hieß das »Raubtier-Buch« und es waren in demselben die wilden Tiere auf großen farbigen Bildern dargestellt und allerlei Merkwürdiges von ihnen erzählt.
»Mutter,« bat Gretchen, »o bitte, laß mich dies Buch dem Felix Acosta schenken, sieh es sind junge Löwen darin, das wäre etwas für ihn!«
»Wenn du's gerne hergibst, so habe ich nichts dagegen. Bei diesem Abschied sollst du einmal nach Herzenslust an deine Freunde verschenken dürfen.«
Bald hatte Gretchen auch für Hans etwas ausgewählt und nun erwartete sie mit Ungeduld ihre Nachmittagsgäste.
Mit dem Schlag vier Uhr ging Herr Reinwald mit seinem Töchterchen hinunter, schloß das große Gartentor auf und ließ die Schar der Kinder herein, die sich dort schon versammelt hatten. Zuerst blieben sie schüchtern und erwartungsvoll stehen. Als aber Herr Reinwald den Birnbaum schüttelte und die köstlichen Birnen herunterpratzelten, sprangen die Kinder lustig durcheinander, um sie flink aufzulesen. Es gab aber ein solches Drängen und Drücken um den Baum herum, daß Herr Reinwald sagte: »Es wird besser sein, wir teilen die Gesellschaft. Gretchen, führe du die Mädchen einstweilen an die Himbeeren, bis die Knaben ihre Körbe gefüllt haben und nachher wechseln wir.« So war's nun noch netter und Gretchen war so im Eifer mit ihren kleinen Freundinnen, daß sie gar nicht bemerkte, wie die Mutter herunterkam, den Hans bei der Hand nahm und mit sich ins Zimmer hinaufführte.
Dort oben wartete schon der Schneider.