»Sieht der kleine Löwe deinem Löwen ähnlich?« fragte sie.

»Er sieht ihm nicht ähnlich, er ist es selbst, so dreht er sich und will sein Schwänzlein fangen, o ich kenne ihn so gut und die Minka auch; aber die anderen kenne ich nicht.«

Gretchen sah die Mutter fragend an: »Kann das wirklich sein Löwe sein?«

»Es ist ja nicht unmöglich,« sagte Frau Reinwald, »daß der Maler, der dieses Bild gemacht hat, die Löwen abgemalt hat, die damals im Zirkus waren.«

»O ja, sehr oft sind Maler vor den Löwenkäfig gekommen,« versicherte Felix und nun drückte er das Buch fest an sich wie einen Schatz und sagte: »Hans komm, das muß Herr Baumann sehen!«

Die beiden kleinen Burschen verabschiedeten sich und zogen ganz glücklich mit ihren Büchern und Körben von dannen.

»Herr Baumann, Sie müssen meinen Nero sehen!« rief Felix und schlug sein Buch auf.

Der alte Herr freute sich selbst an dem schönen Bild, aber noch mehr an dem Glück seines kleinen Schülers, der ihm nun gar manches von seinen Löwen erzählte. Hans hörte aufmerksam zu und erst zuletzt, als er sah, daß sein Felix ganz befriedigt war, schob er dem Lehrer stillschweigend sein Buch hin.

»So, du hast auch etwas?« sprach Herr Baumann und schlug das Buch auf. »Ei, das sind ja die Erzählungen von Christoph Schmid! Nun will ich euch etwas sagen: Künftig dürft ihr in die Stunde immer eure schönen Bücher mitbringen, dann lesen wir in diesen. Dann wird's aber schön werden in unsern Stunden!«