Und wie der gute Lehrer gesagt hatte, so kam's, und die Stunden waren von nun an nicht nur dem Hans, sondern auch dem Felix die liebsten Stunden in der Woche. –

Der letzte Sonntag, den Gretchen in Föhrenheim zubringen sollte, war gekommen; die Eltern hatten sie noch einmal mitgenommen in die Kirche, in der sie getauft worden war, und am Nachmittag hatten sie Abschiedsbesuche gemacht im Städtchen und Lene war hinaus in ihr heimatliches Dorf gewandert, das nur eine Stunde entfernt lag, und war mit verweinten Augen zurückgekommen.

Und nun war's Dienstag. Ein großer Möbelwagen stand vor dem Haus und Gretchen sah zu, wie ein Möbel nach dem andern hinein wanderte. Jetzt schlug es zehn Uhr und die ganze Schar der Schulkinder kam in der Freiviertelstunde herbeigesprungen, um auch etwas von dem Umzug mit anzusehen.

Den Packern, die aus der Residenz gekommen waren, war das unbequem und einer hob ein Seil auf, schwang es drohend gegen die Kinder und rief: »Macht daß ihr weiter kommt, ihr Gassenkinder.«

Da trat Gretchen näher und sprach ganz entrüstet: »Das sind keine Gassenkinder, das sind alles meine Freunde und Freundinnen!« Erstaunt sah der Mann sie an.

»Eine saubere Freundschaft hat das kleine Fräulein,« murmelte er, ließ aber die Kinder doch in Ruh, und bald darauf schlug es Viertel und alle rannten zum Schulhaus zurück. Gretchen wäre fast mit gesprungen, es kam ihr ganz sonderbar vor, daß sie nun schon nimmer zu ihnen gehörte.

Um Mittag schon war die ganze Wohnung leer und der Wagen wurde verschlossen. Wie kahl sah es nun in der Wohnung aus und wie eigentümlich hallten die Schritte in den leeren Räumen!

Der Mutter war's weh ums Herz, sie war auch so müde und matt, und wenn der Vater sie aufheitern wollte, kamen ihr die Tränen. In der öden Küche stand Lene und band sich eine frische Schürze um. Es läutete eben zwölf Uhr. Gretchen sah sich in der Küche um.

»Gelt, Kind, du bist hungrig,« sagte Lene, »und ich hab' dir nichts gekocht!«

»Ich weiß schon, Lene, wir sind ja alle in die Apotheke zum Essen eingeladen, dort gibt's gewiß etwas Gutes, freust du dich nicht, daß du auch mit darfst?«