»O ich kann mich nicht freuen, ich mag gar nicht aus meiner lieben Küche heraus!«

Aber Lene mußte doch heraus, Herr Reinwald rief nach ihr und Gretchen, zum letztenmal gingen sie alle zusammen die Treppe hinunter und die Türe schloß sich hinter ihnen.

»Unsern Ausgang segne Gott,« sagte tief bewegt Frau Reinwald, und ihr Mann fügte leise hinzu: »Unsern Eingang gleichermaßen!«

Bald darauf saßen sie an dem gastlichen Tisch in der Apotheke und durften sich bei den lieben Freunden ausruhen von der Anstrengung der letzten Stunden.

Am Nachmittag fuhr ein Wagen vor, um die Familie Reinwald an die Bahn zu bringen. Dem einen Wagen folgten aber noch drei andere, viele gute Freunde hatten sich verabredet, die Familie hinaus zu geleiten. Das gab nun für Gretchen noch eine lustige Fahrt durchs Städtchen, aus vielen Häusern grüßten Bekannte heraus und sie konnte noch manchen ihrer Schulkameraden zuwinken. Als sie schon am Bahnhof angekommen und in den Zug eingestiegen waren, sah Gretchen noch durchs Fenster zwei Knaben atemlos herbei rennen: es waren Hans und Felix. Sie kamen dicht an den Wagen. Hans hielt ein Paketchen in der Hand und wollte es Gretchen hinauf reichen, aber der Zug setzte sich schon in Bewegung. Da ergriff es Felix und warf es glücklich noch durchs Fenster hinein, so daß Gretchen es fassen konnte. Sie winkte mit ihrem Taschentuch hinaus, Felix schwenkte sein Samtmützchen und einen Augenblick nachher war der Bahnhof und das ganze Städtchen ihren Blicken entschwunden.

Als Gretchen das Päckchen aufmachte, fand sie darin sechs Griffel, so fein gespitzt, wie eben nur der Schäfer-Hans sie spitzen konnte!


Elftes Kapitel.
Aller Anfang ist schwer.

Vor einem stattlichen Hause in der Residenz stand Herr Reinwald wenige Tage nach seiner Ankunft in der Stadt.

»Töchterinstitut von Fräulein von Zimmern« stand an dem Hause angeschrieben, in das nun Herr Reinwald eintrat.