Hinter einer weißbedeckten Tafel stand ein junges Mädchen in appetitlicher weißer Schürze und schnitt eben feine Stückchen Schinken auf. Gretchen war ganz erstaunt, das war doch eine ganz andere Schule als die in Föhrenheim, wenn man da solche Herrlichkeiten bekam! Sie hätte nur den Schäfer-Hans herwünschen mögen!

»Schokolade mag ich am liebsten,« sagte Gretchen und sogleich wurde ihr von dem gefälligen Mädchen eine große, goldgeränderte Tasse voll Schokolade eingeschenkt und ganz von selbst ein Brötchen dazu gereicht.

»Ich danke schön,« sagte Gretchen und ließ sich gleich den süßen Trank schmecken.

»Bitte, man zahlt gleich beim Empfang,« sprach nun das junge Mädchen.

Gretchen sah sie groß an.

Ottilie lachte. »Vorher muß man zahlen, ehe man ißt und trinkt, verstehst du?« sagte sie.

Gretchen setzte die Tasse nieder, sie wurde über und über rot und flüsterte kaum hörbar: »Geld habe ich nicht.«

»Du hast wohl gemeint, man bekäme das alles umsonst?« fragte laut lachend Ottilie. Gretchen nickte.

»Du kennst die Welt noch schlecht,« sprach das junge Mädchen mit der weißen Schürze, und nun lachten alle Kinder, die herumstanden, und hatten den größten Spaß an Gretchens Verlegenheit.

»Ich will für sie zahlen, morgen kann sie mir ja das Geld wieder mitbringen,« ließ sich nun eine Stimme hinter Gretchen hören, ein feines Händchen streckte sich vor und reichte das Geld hin. Gretchen wandte sich um, sie wollte sehen, wer ihr so liebevoll aus der Not half.