Es war Hermine Braun, ein liebliches zartes Mädchen, das Gretchen im Schulzimmer auf dem vierten Platz bemerkt hatte. Gretchen dankte ihr und eilte hinaus, denn sie hatte keine Lust zuzuhören, wie Ottilie, so oft wieder ein anderes Mädchen ins Zimmer kam, erzählte, was vorgefallen war und wie dann wieder über sie gelacht wurde. Sie trat in den Hof hinaus. Dort ging es ebenso lustig zu, wie vor dem Föhrenheimer Schulhaus, aber unser Gretchen, die dort bei jedem Spiel die Hauptperson gewesen war, fühlte sich recht fremd unter all den Mädchen, von denen jedes schon ihre gute Freundin zu haben schien, und sie war froh, als droben wieder geschellt wurde.
»Das ist das erste Zeichen,« sagte Hermine Braun im Vorbeigehen zu ihr. »Wenn das zweite Zeichen gegeben wird, muß man fertig gerichtet am Platz sitzen, sonst bekommt man eine schlechte Note.«
Als Gretchen durch den großen Vorplatz ging, öffnete sich eine Türe und Fräulein von Zimmern winkte ihr herein.
»Hier habe ich dir aufgeschrieben, was du an Büchern und Heften brauchst. Bitte deinen Vater, daß er dir alles so schnell wie möglich besorgt. Was du für eine Handarbeit nötig hast, wird dir Fräulein Klingenstein sagen. Nun gehe wieder hinauf in das Klassenzimmer.«
Als Gretchen hinaufkam, standen die Kinder noch im Zimmer herum und richteten ihre Bücher. Am Fenster aber war ein Mann, der machte sich an dem Rouleau zu schaffen. Gretchen sah ihn nur von hinten und dachte, er sei vielleicht ein Handwerksmann, der dort etwas in Ordnung zu bringen habe. Als er aber fertig war, ging er nicht fort, sondern sah zum Fenster hinaus.
»Was will der Mann?« fragte Gretchen eine der Umstehenden.
»Welcher Mann?«
»Der dort am Fenster.«
Statt aller Antwort lachte die Angeredete, zupfte eine andere und sagte ihr etwas ins Ohr. Die lachte noch mehr und nun hatte es Ottilie bemerkt, kam herzu und fragte:
»Was gibt es? Hat die Neue sich wieder so köstlich benommen?« Und nun ging es halblaut von Mund zu Mund: »Sie hat gesagt: ›Was will der Mann?‹«