Wir sind in einem schwäbischen Städtchen, zwischen Wald und Bergen gelegen, und versetzen uns um etwa dreißig Jahre zurück. Das Haus, in dem wir nur einen Tag miterleben wollen, aber einen großen Tag, liegt malerisch an dem Flüßchen, das in raschem Lauf das Städtchen durchfließt, und bildet die Ecke der Fahrstraße nach dem Bahnhof. Unser Haus hat zwei Besitzer; das Erdgeschoß gehört dem Schreiner Wahl zu eigen, der obere Stock dem Stadtschultheißen Römer. Außerdem gibt es noch im Dachstock sechs Kammern; ursprünglich gehörten drei dem Schreiner und drei dem Stadtschultheißen, aber der Schreiner, der manchmal in Geldverlegenheit kam, bot in solchen Fällen dem Stadtschultheißen eine Kammer zum Kauf an und so gehörten jetzt bereits fünf Kammern dem Stadtschultheißen und nur noch eine dem Schreiner.

Am frühen Morgen des großen Tages, von dem wir berichten wollen, hantierte in einer dieser Kammern der Schreiner; und die junge Frau des Stadtschultheißen hörte kaum über sich seinen schweren Schritt, als sie auch schon im leichten Morgenrock die Treppe hinaufeilte und den Mann aufsuchte.

»Guten Morgen, Herr Wahl,« sagte sie freundlich, »machen Sie schon die Fahnen hinaus, das ist recht.«

»Ja,« sagte der Mann, »es ist ja gut Wetter.«

»Und nicht wahr, meine Lämpchen stellen Sie mir auch rechtzeitig hinaus.«

»Wohl, wohl, Frau Stadtschultheiß, aber doch erst am Abend, wenn man sie gleich anzünden kann; das ist ja schnell getan.«

»Meinen Sie?« sagte sie ungläubig. »Am Fenster sind sie freilich leicht aufzustellen, aber ich meine die außen, die auf dem vorspringenden Sims, der rings ums Haus herumläuft, die muß man doch vorher aufstellen, daß man sieht, wie sich’s macht und ob auch die Leiter hoch genug ist.«

»Frau Stadtschultheiß, auf den Sims würde ich keine aufstellen, da brauchen Sie furchtbar viele Lämpchen, an keinem Haus wird es hier so gemacht. Die Leute stellen halt ein paar Lichter vor die Fenstergesimse, weiter braucht’s nichts.«

»Aber Herr Wahl, wir haben es doch so miteinander verabredet, und ich habe deshalb dreihundert Lämpchen gekauft! Unser Haus liegt doch auch gerade so an der Ecke; wenn die Wagen hereinfahren, nachdem die Felsenbeleuchtung draußen vorbei ist, kommen sie alle an unserem Haus vorbei, und da spiegeln sich dann unsere Lichter im Fluß. Ich habe das einmal in Hamburg gesehen, das macht sich wundervoll; ich wollte meinen Mann damit überraschen, wenn er mit den Herren hereinfährt. Sie haben doch vorige Woche gesagt, Sie wollten es mir machen.«

»Nun ja, dann muß ich’s eben machen,« sagte der Mann zögernd.