»Nun laß nur den Braten sehen, wir schneiden noch die schönsten Stücke auf.«
»Es geht nicht, Mutter.«
»Er kann doch nicht ganz verbrannt sein?«
»Ich mochte ihn gar nicht mehr sehen und habe ihn dem Handwerksburschen mitgegeben, der mir den schrecklichen Fisch totschlug!«
»Kind, du wirst doch den dreipfündigen Rindsbraten nicht hergegeben haben?«
Alle weiteren Erörterungen wurden durch den Gast abgeschnitten, der, als er die Stimme der Hausfrau hörte, herauskam, sie lebhaft begrüßte und in Beschlag nahm. Als Frida bei Tisch den wohlgeratenen Fisch auftrug, erntete sie großes Lob, aber sie schlug beschämt die Augen nieder und dachte an den verbrannten Braten. Die Herren aber waren in heiterer Stimmung.
»Aha,« sprach der Gast, »da merkt man doch gleich, daß man in einer katholischen Stadt ist, ihr habt heute, am Freitag, Fisch. Ich finde es sehr hübsch, wenn man sich nach der Sitte des Ortes richtet.«
Als am Abend der Gast fort war und die Mutter alles erfahren hatte, berechnete sie im stillen: Ein feiner Fisch und ein Trinkgeld dem Mädchen, ein dreipfündiger Rindsbraten und ein Trinkgeld dem Handwerksburschen – und sie kam zu dem Schluß, auch den dringendsten Besuch nie mehr vor Tisch zu machen.
Der Handwerksbursche zehrte mittags und abends an dem Braten, von dem er nur die verbrannte Rinde abgelöst hatte, und er fragte sich, ob er es wohl noch einmal in seinem Leben zu so einem kräftigen Stück Fleisch bringen werde.
Frida aber tat um Mitternacht einen lauten Schrei, denn ihr träumte, der Fisch sei vom Tisch herunter und in ihren Schoß gesprungen!