Er ließ sich die Neckerei gefallen. »Ich habe keinen Blick für diese Dinge. Hätte ich geahnt, daß du ein so scharfes Verhör mit mir anstellst, hätte ich mir Berta noch genauer angesehen. Du wirst sie aber bald selbst sehen.«
»Aber über ihr Wesen möchte ich etwas von dir hören.« Da wußte der Vater besser Bescheid. »Sie ist gut,« sagte er, »du wirst keine schwere Aufgabe mit ihr haben; die Haushälterinnen, die wir in den letzten Jahren hatten, haben sich nie über sie beklagt. Ein wenig zurückhaltend ist sie, etwas scheu und verschlossen gegen Fremde. Von ihrem Konfirmandenunterricht war sie sehr ergriffen, und obwohl wir nie davon sprechen, fühle ich doch, daß das, was sie in diesem Unterricht gelernt hat, lebendig in ihr geworden ist.«
»O, das ist gut,« sagte die künftige Mutter, »dann finde ich schon den Anknüpfungspunkt mit ihr. Wie meinst du, daß sie die Nachricht von unserer baldigen Verheiratung aufnehmen wird?«
»Das weiß ich nicht. Über solche Dinge habe ich nie mit ihr gesprochen. Aber du weißt ja am besten, wie die Mädchen ihres Alters ungefähr sind.«
»Ich meine, sie sind sehr verschieden,« sagte die Frau, »und ich bitte dich, schreibe mir, wie sie deine Mitteilung aufgenommen hat.«
»Ja,« sagte der Direktor.
Aber seine Braut war mit der kurzen Antwort nicht zufrieden. »Ich fürchte, du schreibst mir doch nur: ›Sie hat es aufgenommen, wie es eben so Mädchen mit vierzehn Jahren aufzunehmen pflegen.‹ Ich möchte es aber genau hören, bitte, auch wenn sie sich unglücklich darüber aussprechen sollte; es kann mich nicht kränken, sie kennt mich ja noch nicht.«
Der Direktor versprach es. In glücklicher Stimmung verbrachte er diesen Abend mit seiner Braut, und ehe er sich von ihr trennte, wurde der Hochzeitstag festgesetzt.
Der Direktor hatte in den letzten Jahren kein schönes Familienleben genossen. Verschiedene Haushälterinnen hatten sich in seinem Hause abgelöst; die eine konnte nicht lange bleiben, die andere wollte er nicht behalten. Zuletzt hatte er gar keine mehr genommen, ein bewährtes Dienstmädchen hatte den Haushalt so notdürftig in Ordnung gehalten. Fröhlichen Herzens reiste er nun heim, endlich stand ihm wieder ein glückliches, behagliches Familienleben in Aussicht und seinem Kinde die richtige Leitung. Das Dienstmädchen wollte er vor der Hochzeit wechseln, es war zu sehr Herrin im Haus geworden, die zukünftige Hausfrau sollte nicht unter ihm zu leiden haben.
Allerlei Geschäfte erwarteten bei seiner Heimkehr den Direktor; erst nachmittags fand er eine günstige Viertelstunde, um mit seiner Tochter zu sprechen. Er pflegte sonst um diese Zeit allein bei einer Tasse Kaffee seine Zeitung zu lesen. Heute rief er Berta herbei. »Du kannst auch einmal eine Tasse Kaffee mit mir trinken, Berta,« sagte er, »dabei erzähle ich dir von meiner Reise und wir feiern ganz heimlich ein kleines Fest.«