Als der Ersehnte endlich zurückkam, fand Pauline sein Befinden merklich verschlimmert und es erwies sich als eine große Wohltat, daß auch er nun in der stillen, ländlichen Wohnung Ruhe fand. Unten in der Stadt erreichte die Aufregung ihren Höhepunkt, als ein Gefecht in nächster Nähe erwartet wurde. Auch waren die österreichisch gesinnten Elemente der Bevölkerung aufgehetzt und Brater, der Bismarcks Bedeutung längst erkannt und offen hervorgehoben hatte, erfuhr, daß der Pöbel gewillt war, ihm »seine preußischen Fenster« einzuwerfen. Aber mit Eintritt des Waffenstillstandes verlief sich rasch die Erregung und das Jahr 1866 wurde in Beziehung auf die Feindseligkeiten gegen Brater ein Wendepunkt. Nachdem die Ereignisse ihm Recht gegeben, verlor die Feindschaft mehr und mehr ihren Stachel und immer weitere Kreise gingen vom engherzigen Partikularismus zu nationaler Gesinnung über.
X.
1866–1869
Im Herbste des Jahres 1866 tauchte der Plan auf, daß für Braters Gesundheit eine richtige Kur unternommen werden sollte, ein Winteraufenthalt im Süden wurde ihm geraten. Ein solcher machte aber eine Beurlaubung von der Ständekammer, ein Aussetzen seiner meisten Arbeiten nötig und davor bangte Pauline; von da an, meinte sie, wird er erst empfinden, daß er krank ist, bis jetzt ließ die Arbeit ihn nicht zu diesem Bewußtsein kommen und wie groß mußte nach solchen Opfern seine Enttäuschung sein, wenn etwa der Erfolg doch ausblieb! So wurde hin und her beraten, bis Brater in seiner ruhigen, sachlichen Weise seinem Arzte, Prof. Herz in Erlangen, klare Fragen vorlegte, deren Beantwortung den Entscheid gaben. Er schreibt darüber an Ernst Rohmer:
»Herz hatte mir nun die Fragen zu beantworten:
1. Kann eine klimatische Kur insofern nachhaltig wirken, daß sie die weitere Entwicklung des Übels wesentlich aufhält?
Antwort: Ja.
2. Ist ohne eingreifende Gegenmittel eine fortwährende Steigerung des Übels zu erwarten?
Antwort: Ja.
3. Kann die Kur nicht ohne Bedenken auf ein späteres Jahr verschoben werden?
Antwort: Die Reaktionsfähigkeit des Organismus und folglich die Wahrscheinlichkeit, daß die Kur wirkt, nimmt mit jedem Jahr ab, und wenn man am Ende der Vierziger steht, ist es eben noch Zeit.« ...