„Schön ist’s, das ist richtig,“ gab der Große zu, „wer ins Haus kommt, rühmt, daß es bei uns so sauber aussehe,“ und er sah mit Stolz um sich.
„Und gut ist sie auch, die Lene!“ rief Gretchen eifrig. „Wie ich noch klein war, hat sie mir am Sonntagnachmittag oft Geschichten erzählt und vorgelesen und mit mir gespielt. Mit euch hat sie gewiß auch schon gespielt?“
„Nicht ein einziges Mal!“
„Aber vorgelesen oder erzählt?“
„Das ist bei uns nicht der Brauch, das hat sie halt bei euch getan, aber wir sind ihr viel zu gering.“
Gretchen dachte nach. „Mir hat sie auch nie erzählt, wenn sie sich über mich hat ärgern müssen, bloß wenn ich brav war. Aber paßt auf! Wischt den Tisch schön ab, macht alles sauber, daß ihr’s gefällt, wenn sie heimkommt, und dann sagt zu ihr: Einen schönen Gruß von deinem Gretchen und du sollst uns heute abend die Geschichte von der Feuersbrunst im Gefängnis erzählen. Dann tut sie’s gewiß und die Geschichte ist wunderschön.“
„Was kommt darin vor?“ frug der Kleine.
„Ich kann’s jetzt nicht erzählen, ich muß nach Hause, und Lene kann’s viel schöner als ich.“ Gretchen ging.
Sie war nicht mehr so entrüstet wie am Anfang ihres Besuchs, sie dachte ein wenig milder über die Buben und über die Base, sie fühlte, daß da große Schwierigkeiten zu überwinden waren, und es stand fest bei ihr, die Mutter mußte zu Lene kommen und alles ins gute Geleise bringen.
Während sie in diesen Gedanken heimwärts ging, wurde in der Stube des Kutschers der Tisch abgerieben und alles, was in Unordnung geraten war, aufgeräumt. Der dritte Bruder kam nun auch heim. Er ahnte nichts von der neuen Ordnung der Dinge; als er sich aber beikommen ließ, einen Apfelbutzen auf den Boden zu werfen, was die beiden andern noch vor einer Stunde ebenso gemacht hätten, wurde er von seinen Brüdern hart angelassen, so daß er große Augen machte. Sobald er aber erfaßt hatte, um was es sich handelte, daß nämlich die Mutter dafür gewonnen werden sollte, eine Geschichte von der Feuersbrunst im Gefängnis zu erzählen, trat er in das Komplott ein, und so kam es, daß Lene alles in tadelloser Ordnung vorfand, als sie nach einiger Zeit von ihren Ausgängen heimkam. Sie merkte gleich, daß etwas nicht war, wie sonst. Es herrschte Frieden, Ruhe und Ordnung, und sie selbst wurde mit einem gewissen Interesse angesehen, wie wenn sie eine neue Erscheinung wäre. Und in der Tat sahen die Kinder sie daraufhin an, daß sie so innig geliebt wurde von einem jungen, feinen Mädchen. Sie dachten daran, daß dieses Mädchen Tränen vergossen und gesagt hatte, Lene sei unglücklich und sie seien schuld daran.