Das war nun noch ein eifriges Lernen und Repetieren daheim, ein Sorgen und Beraten in der Schule!

Am Montag abend hatte Gretchen eben ihre Bücher weggelegt mit der Empfindung, daß sie für diesen Tag das Lernen satt habe, als unerwartet Ottilie zu ihr kam. „Gretchen,“ sagte sie, „du weißt ja, daß ich mehr als du und viel mehr als Elise zu lernen übernommen habe. Aber jetzt habe ich wieder Kopfweh, und wenn ich noch weiter lerne, wird’s immer ärger. Jetzt möchte ich dich bitten, daß du noch ein Stück von meinem Teil übernimmst.“

„Jetzt kann ich doch nichts Neues mehr dazu lernen,“ entgegnete Gretchen, „du hast gar zu viel übernommen, laß doch weg, was du nicht mehr zustande bringst.“

„Das kann ich doch nicht, es ist ja schon auf dem Verzeichnis, das wir Fräulein von Zimmern übergeben haben.“

„Was ist es denn?“

„Die Teilung der Erde.“

„Das ist ein schweres Gedicht!“ sagte Gretchen sehr bedenklich.

„Aber nicht lang,“ entgegnete Ottilie; „stelle dir nur vor, wie es werden soll, wenn Fräulein von Zimmern sagt: ‚Nun möchte ich die Teilung der Erde hören,‘ und sie fragt gewiß danach, ich weiß, sie hat es gern. Sollen wir dann verstummen?“

„Nein; dann sagen wir: mit dem sind wir nicht mehr fertig geworden. Es ist ja alles freiwillig!“

„Nein, Gretchen, das können wir wirklich nicht sagen, es wäre eine Schande vor allen Gruppen! Kannst du’s denn nicht noch lernen? Du lernst doch so leicht und hast nie Kopfweh. Wenn du es nicht übernimmst, dann läßt es mir keine Ruhe, dann zwinge ich mich dazu und lerne die halbe Nacht durch und bekomme rasend Kopfweh.“