„Nun möchte ich aber doch wissen, warum?“

„Weil ich mich gar nicht auskannte mit der Wäsche und Franziska nicht fragen mochte; denn wenn sie merkt, daß ich gar nichts verstehe, hat sie keine Achtung vor mir. So muß ich mich immer stellen, als ob ich etwas könnte, wo ich doch nichts kann, und das ist mir so zuwider!“

„Das ist auch ganz und gar verkehrt. Glaube nur gar nie, daß du etwas Gutes erreichst, wenn du dir den Schein gibst, mehr zu sein, als du bist.“

„Aber wenn sie sieht, daß ich so viel weniger verstehe als sie, so wird sie keinen Respekt vor mir haben.“

„In deinem Alter braucht man auch noch keinen ‚Respekt‘ zu beanspruchen. Manierlich wird sie dennoch gegen dich sein, wenn du es gegen sie bist und wenn sie sieht, daß du deine Pflicht tust, so gut du eben kannst.“

„Hätte ich sie denn heute fragen und mir alles von ihr zeigen lassen sollen?“

„Ganz gewiß; du kannst jederzeit ruhig zu ihr sagen: wie macht man denn das, davon habe ich gar keinen Begriff; oder: ich glaube, daß ich alles ganz verkehrt gemacht habe, wenn ich nur auch schon so geschickt wäre wie Sie! Das alles wird dem Mädchen den Eindruck machen, daß du aufrichtig und nicht hochmütig bist, und sie wird dich um dessentwillen lieb haben. Gibst du dir hingegen den Schein, mehr zu sein als du bist, so fühlt sie bald die Falschheit heraus, die darin liegt, und freut sich, so oft dir etwas mißlingt.“

„Aber noch eines, Mutter; du hast doch gesagt, ich solle nicht so viel mit ihr sprechen, wie mit Lene; es kommt mir aber so unfreundlich vor, wenn man so schweigend zusammen an einem Tisch arbeitet.“

„So war das auch nicht gemeint. Natürlich darfst du nicht mit einem Mädchen, das wir so kurz erst kennen, rückhaltslos über unsere Angelegenheiten reden, wie du es von der Kinderzeit her mit Lene gewöhnt warst; aber es gibt genug Dinge, über die du mit ihr sprechen kannst. Denke, wie fremd sie hier ist und wie sie es wohl oft schmerzlich vermißt, daß niemand etwas weiß von ihrer Heimat und ihren Angehörigen. Frage sie nach ihrem Heimatsort, ihrer Schulzeit, ihren Geschwistern, da wird ihr das Herz aufgehen, und es wird ihr wohl tun.“

Wo ein guter Rat auf klaren Verstand und guten Willen trifft, da wirkt er. Gretchen verstand und wollte.