Am folgenden Tag war Frau Reinwald für den Nachmittag eingeladen. Sie hatte kaum das Haus verlassen, als Gretchen das Mädchen in der Küche aufsuchte.

„Franziska, wo sind wohl jetzt die nassen Leintücher?“ fragte sie.

„Sie hängen noch oben in der Dachkammer.“

„Sind sie schon so trocken, daß man sie abnehmen könnte?“

„Warum? Die gnädige Frau ist ausgegangen, allein kann ich sie nicht legen und überdies muß ich Fenster putzen.“

„Ich frage nur deshalb, Franziska, weil ich doch schuld daran bin, daß die Wäsche jetzt noch hängt, während die Mutter sie so gerne noch diese Woche fertig gemacht hätte. Ich dachte, ob wir die Mutter nicht damit überraschen könnten, daß die Leintücher alle schön gelegt wären, wenn sie heute abend heimkommt. Ich weiß freilich gar nicht, wie man sie legt. Sie müßten mir’s eben zeigen und Geduld haben, wenn ich mich wieder so dumm anstelle, wie neulich.“

Franziska schien unentschlossen, was sie antworten solle.

Gretchen ließ nicht nach. „Geht’s wegen des Fensterputzens nicht recht?“ fragte sie; „ich habe um vier Uhr eine französische Stunde zu geben und komme erst gegen fünf Uhr heim, bis dahin könnten Sie doch gewiß fertig sein mit den Fenstern und dann haben wir immer noch zwei Stunden Zeit; die Mutter kommt gewiß nicht vor sieben Uhr.“

„Meinetwegen,“ sagte Franziska, „ich will die Wäsche nachher aus der Kammer holen und zurichten, bis Sie aus der Schule kommen.“

„O, das ist recht,“ rief Gretchen und richtete sich zum Gang in die Schule.