Sie sahen sich alle drei betroffen an. „Der Brief ist gar nicht von Lutz!“ rief Anna. „Die Leute, die wir grüßen sollen, kennen wir ja gar nicht. Einen Pater, einen Onkel Valentin, die Exzellenz.“—„Ja, es ist ganz wunderlich; und wie sollte Lutz so ganz gewöhnliche Marken für seine Sammlung wollen. Es sind vier Fünfcentimes-Marken.“—„Aber doch fragt er nach Wilhelm, und es ist ja seine Schrift, seht nur, darüber kann doch kein Zweifel sein.“
„Dann ist er verwirrt im Kopf, fieberkrank vielleicht.“
Sie schwiegen alle drei und grübelten über den merkwürdigen Brief. Da leuchtete es plötzlich in Annas Gesicht auf: „Darf ich den Umschlag haben, Vater? Ich möchte die Marken ablösen.“
„Warum?“
„Er möchte sie doch haben!“—„Da nimm!“
Mit großer Vorsicht befeuchtete Anna den Umschlag mit Wasser. Die Marken fingen an sich zu lösen, behutsam hob sie ein Eckchen und sah darunter.
„Da steht etwas geschrieben,“ rief sie, „ich habe mir's doch gedacht!“—„Nur sachte, sachte!“
Alle drei waren in höchster Spannung, bis die vier Marken glücklich gelöst waren. Es kamen Worte zum Vorschein, in winzigen Buchstaben mit spitzem Bleistift geschrieben, und sie entzifferten folgendes:
Dürfen die Wahrheit nicht schreiben. Behandlung schlecht, aber wir
sind gesund, halten es gut aus. Sorgt Euch nicht, wir leiden fürs
Vaterland, dem Gott den Sieg geben wird. Fröhliches Wiedersehen im
Frieden.
Ja, aus diesen Worten erkannten sie ihren tapfern Sohn und Bruder wieder! Immer aufs neue lasen sie das winzige Brieflein und waren tief bewegt.