"An dem Abend, wo der Onkel das Jüngferlein wollte!"
"Ach, damals? Gebhard, sieh, du wirst glücklicher sein bei der Großmutter. Sie hat den Vater so lieb und sie nimmt dich mit deinem Leo so gerne zu sich!"
"So? hat sie das geschrieben?" Langsam machte er sich von der Mutter los. "Da sind meine Schulbücher."
Still vollendeten sie das Geschäft des Einpackens; aber beunruhigt lief der Hund hin und her, er merkte, daß Ungewohntes vor sich ging.
"Du darfst mit mir gehen, Leo, sei nur zufrieden, wir zwei trennen uns nicht!" Bei diesen Worten nahm Gebhard den schmalen Kopf des Hundes zwischen seine Hände. Ein leises Bellen bezeugte das Einverständnis des klugen Tiers; es legte sich nun still neben den Koffer, bereit Hab und Gut seines kleinen Herrn zu bewachen.
Sie waren fertig, das Zimmer sah öde aus.
"Komm nun, Gebhard," sagte die Mutter und es war ihr wehmütig ums Herz in dem leeren Zimmer, "komm, wir wollen nach dem Schwesterlein sehen."
Er griff nach ihrer Hand, sah zu ihr auf und merkte, daß sie traurig war. "Mutter," begann er, "jetzt denkst du an den Vater, das sehe ich dir immer an. Aber du hast noch dein Jüngferlein, das ist dir doch das allerliebste und das bleibt bei dir."
Sie drückte fest seine Hand. Nein, sie hatte jetzt eben nicht an ihren
Mann gedacht, sondern an den kleinen Mann, der da so liebevoll an ihrer
Hand ging und sie noch tröstete, obwohl sie ihn von sich schickte.
Schon vor der Zimmertüre hörten sie die Tante, die ihren Spaß hatte mit der Kleinen. Die lachte laut und übermütig vor Vergnügen. Das lustige Töchterlein—der traurige Bub—es gab der Mutter zu denken.