Während die Marsiten einen Imbiß herrichteten, betrachteten die drei Schwaben das zu ihren Füßen sich ausbreitende parkartige Panorama, das sich im Lichte der untergehenden Sonne golden spiegelte. Kein Laut, kein Ton, der die Anwesenheit noch anderer belebter Wesen verraten hätte, ließ sich vernehmen, nicht einmal das Rauschen eines talwärts strebenden Baches. Alles schien an diesem Berge in die starren Fesseln völliger Stille geschlagen zu sein, und der Berg trug daher seinen Namen mit Recht. Auch die Erdensöhne waren schweigsam. Still mit den eigenen Gedanken beschäftigt, starrte jeder der Männer vor sich hin.

„Ich besinne mich vergeblich, mit welcher Landschaft auf der Erde ich das Panorama da unten vergleichen soll,“ unterbrach Stiller das Schweigen.

„Mich erinnert es in etwas an den Vulkan Villa rica im südlichen Chile. Hier wie dort ragt ein gleicher Bergkegel aus der Ebene hervor. Ganz ähnlich ist der Ausblick auf dunkelgrüne Waldungen und hellglitzernde Seen und Wasserstraßen.

Dazu kommt noch hier wie dort die durchsichtige Luft, die satte Bläue des Himmels und die geheimnisvolle Stille der Natur,“ entgegnete der vielgereiste Dubelmeier.

„Das kann ich nicht beurteilen. Aber ein Bild voll tiefen Friedens, voll wohltuender Anmut und Schönheit bleibt das Marsland auch von hoher Warte aus. Von wo aus man es auch betrachten mag, überall tritt es uns wie eine hehre Offenbarung entgegen,“ rief Stiller begeistert.

Bei diesen Worten seines Kollegen schneuzte sich Piller wieder einmal sehr kräftig.

„Recht haben Sie, Stiller! Doch hier kommt Speise und Trank, gute Mittel gegen — na, sagen wir Gemütsattacken.“ Damit ergriff Piller eine Flasche, schenkte sich von dem edlen Marsweine ein und trank das Glas mit einem Schluck leer.

Die Nacht war herangekommen. Phobos und Deimos zogen ihre stille, leuchtende Bahn, als die Karawane aufbrach, um auf dem festgefrorenen Schnee langsam den Weg zur Spitze des Berges emporzuklettern. Tiefe Rubintinten am östlichen Himmel kündigten den Aufgang der Sonne an, als Schwabens Söhne endlich glücklich den Gipfel des Berges erreicht hatten. Einem Glutballe gleich stieg bald darauf die Sonne empor und warf ihre Strahlen über Berge und Täler. Ein Rundblick von überwältigender Großartigkeit lohnte die Männer für ihre Anstrengungen des Aufstiegs.

Der Berg des Schweigens überragte die übrigen Höhenzüge ganz bedeutend. Er war die höchste Erhebung der nördlichen Marshemisphäre. Weithin schweiften die Blicke völlig frei und unbehindert. Selbst die fernsten Gegenstände schienen, dank der dünnen, klaren Luft, dem Auge greifbar nahe gerückt. In weiter, weiter Ferne nach Norden zu konnten die drei Gelehrten mit Hilfe der scharfen Marsteleskope, die sie mit sich führten, eine weiße, bogenförmige Linie erkennen. Diese grenzte scharf und deutlich den bläulich schimmernden Horizont ab. Die Herren wußten zunächst nicht, wofür sie diese eigenartige Linie, die ein erstarrtes Eismeer einschloß, halten sollten.