Sehr zahlreich, mitunter zahlreicher noch als die vollen Formen, sind die verkürzten, sich anschließend an die altdeutschen Kürzungen und Verkleinerungen, die Seite 23 behandelt sind. Das o, welches dort an den Torso gesetzt wurde, hat sich nur in wenigen Familiennamen, wie Otto, Thilo, erhalten; meist ist es in e abgeschwächt: Otte, Thiele, Heine (altd. Heino aus Heinrich), Thieme (Thiemo aus Thiedmar) — oder es ist ganz abgefallen, so daß der Name einsilbig wird: Ott, Thiel, Heyn, Thiem.

Diese Verkürzungen bilden den Übergang zu den eigentlichen Verkleinerungsformen oder Schmeichelformen. Die verschiedensten Bildungen treten hier hervor, und eine wundersam reiche Flora beut sich den erstaunten Blicken. Jede Landschaft hat ihre besonderen Deminutivendungen, nach Maßgabe der Mundart.[27]

Der Kern der oberdeutschen Verkleinerungsendung ist ein l (altd. ilo, s. [S. 23]), welches auch in Appellativen in den mannigfachsten Formen auftritt: ele, el, le, li, la usw., z. B. Mädele, Mädel, Maidle, Maidli, Madla; Vogel, Vogerl.

Der Kern der niederdeutschen Verkleinerungs-Endung ist ein k (altd. iko, [S. 23]): ke, ken, z. B. Mäke, Mäken.

Im Schriftdeutschen sind beide vertreten, und zwar in der Verbindung mit n ([S. 23]): oberd. lein, niederd. chen.

Demnach finden wir im Oberdeutschen folgende Bildungen in den Familiennamen:

gewöhnlich, mit der Weiterentwickelung des Neuhochdeutschen Schritt haltend:

Weniger mannigfaltig sind die entsprechenden Bildungen in Niederdeutschland, wo man im allgemeinen die Verkleinerungsformen auch in den gewöhnlichen Hauptwörtern weniger liebt. Es ist hier besonders nur die Endung