So ist im allgemeinen der Gang. Genaueres über einzelne Landschaften findet man unter anderen bei Kleemann, Die Familiennamen Quedlinburgs und der Umgegend, S. 3. — Wenn wir die Alpen übersteigen, finden wir Familiennamen allerdings viel früher in den italienischen Städten, in denen sie sich, während sie bei uns im 12. Jahrhundert erst im Entstehen sind, bereits seit langen Jahren ganz verbreitet zeigen. Die ersten Spuren finden sich in Venedig, wo schon im 9. Jahrhundert eine Familie Particiaco begegnet: 809 Angelo P., 829 Justiniano P., 864 Urso P., 881 Johannes Particiaco. Hier erbt also der Name Particiaco, ursprünglich der Beiname einer einzigen Person, in dem Geschlechte fort.
[23] Allmers in seinem „Marschenbuch“ bemerkt auf Seite 140 f.: „Eigentliche Familiennamen waren bei den Friesen selbst noch bis ins vorige Jahrhundert selten. Der Sohn erhielt zu dem Vornamen seines Vaters nur noch einen eigenen Taufnamen, wie es noch jetzt auf vielen friesischen Inseln Gebrauch ist. Hieß z. B. der Vater Eke Lübs und man taufte seinen Sohn Siade, so hieß dieser Siade Eks, und der Enkel, wenn er nach dem Großvater Lübbe genannt wurde, Lübbe Siads oder Eke Lübbe Siads. Das angehängte s ist nichts weiter als Bezeichnung des Genetivs. — Man kann leicht ermessen, welche bunte Verwirrung solche Sitte zur Folge haben mußte, und wie ganz besonders, wo es wichtige Erbschaftsangelegenheiten betraf, bei denen oft weitläuftige Namenregister in betracht gezogen werden mußten, die unlösbarsten Verwickelungen oft endlose Prozesse herbeiführten. Früher oder später machte daher in den verschiedenen Marschen ein Gesetz, wonach jede Familie einen festen Namen annehmen mußte, diesem Unwesen ein Ende, welches in manchen Gegenden bis ins letzte Jahrhundert fortdauerte und auf den Inseln sogar heute noch angetroffen wird. Denn wenn auch alle Friesen nunmehr Familiennamen angenommen haben, so betrachten sie, wenigstens die Landbevölkerung, dieselben als unnütze Anhängsel, die nur vor Gericht und bei ähnlichen Gelegenheiten erforderlich sind.“
Im Osnabrückischen haftet noch jetzt der Name in den Bauerschaften weniger an der Person als am Hofe. Wenn z. B. Müller zu B. auf den Hof Meyer zu N. heiratet, heißt er selbst Meyer zu N., nicht mehr Müller, höchstens Meyer geb. Müller. Wenn Kinder oder Kindeskinder vom Hofe ziehen, werden sie sich in der Regel Meyer, selten Müller nennen. (Fr. Meyer, Der Name Meyer, S. 8.) Ähnliches bezeugt für die lippischen Familiennamen O. Preuß. 1864.
[24] Stark, Kosenamen, S. 154. 156.
[25] Bemerkenswert ist, daß ja auch Luther vielfältig in der Bibelübersetzung die Eigennamen unverändert, statt im Gen., beifügt, z. B. Kinder Korah, Tochter Zion, Sohn Isai.
[26] Infolge des häufigen Gebrauches ist aber die ursprüngliche Bedeutung dieser Zusammensetzungselemente allmählich sehr verblaßt, so daß sie teilweise zu bloßen fast bedeutungsleeren Endungen herabgesunken sind.
[27] Die rein vokalische Verkleinerungsform i ([S. 23]) findet sich jetzt nur noch in der Schweiz: Burcki, Fritschi, Hochuli, Welti.
[28] Wie Luther „Wörtlin“ u. a. und noch Fischart in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts: „Er hat ein hölzins Röcklin an.“ Daß übrigens die Endung hier in den Eigennamen nicht den Ton hat, ist selbstverständlich, also Rümelin (–́ ᴗ –).
[29] Daß „Fritz“ als Rufname für Friedrich auch in Niederdeutschland so allgemein verbreitet ist, erklärt sich durch die Verpflanzung der Hohenzollern nach Brandenburg, deren Ahnherr, der Burggraf Friedrich von Nürnberg, im Jahre 1411 von dem Kaiser Sigismund in die Marken eingesetzt wurde. Jedoch finden sich einzelne Formen mit z auch schon früh in niederdeutschen Urkunden: Hence (= Henze) und Hinze mehrfach in Urkunden der Stadt Lübeck 13. Jahrh., Thiezo, Winizo, Reinzo und einige andere in der Frekenhorster Heberolle, so daß man mit Lübben, Die Thiernamen im Reineke Vos S. 48, wohl hochdeutschen Einfluß hier einräumen muß; ebenso bei der Verbindung des z mit k, wie in Tieziko, Meinziko, Raziko, die eigentlich Zwitter sind.
[30] Henricus dictus Arnoltz (= Arnolds), Berchtoldus Marchwardi u. a. in Urkunden; deutsch Henning Markwardes (wie Darius Hystaspis).