Lauchstädt. Weißenfels. Zeitz.

In sanfter Abdachung gegen die Saale endet hier die Querfurter Platte (Thüringische Grenzplatte), deren Muschelkalk meist von Tertiärschichten oder Diluvialgebilden bedeckt ist und außer dem westlichen der Unstrut zugewandten Steilrande nur bei Mücheln und Branderoda zu Tage tritt. Die flach gebuchteten Thäler der Laucha und Geisel sind hier am dichtesten mit Siedelungen besetzt, und in beide Thäler führen jetzt Eisenbahnen. Dort sind Lauchstädt (2100 Einw.) und Schafstädt (2800 Einw.), hier Mücheln (1600 Einw.) die einzigen Städte. Lauchstädt hat eine seit 1710 gefaßte erdig-salinische Eisenquelle (11° C.) und war früher Sommerresidenz der Herzöge von Sachsen-Merseburg. Während seiner höchsten Blütezeit war es oft Sommeraufenthalt von Karl August von Weimar und Goethe, die auch den Vorstellungen der weimarischen Schauspielergesellschaft auf der kleinen Bühne ([Abb. 9]) beiwohnten. Hier ging zuerst in Anwesenheit Schillers am 19. März 1803 die »Braut von Messina« über die Bretter, deren Proben Goethe geleitet hatte. Südlich des Geiselthales erhebt sich der 159 m hohe Janushügel bei dem Dorfe Roßbach, wo 1757 Friedrich der Große die Franzosen schlug.

Östlich von Merseburg winden sich in grünen weit ausgedehnten Auen die Arme der Luppe und Elster, die unterhalb Merseburgs ihre Wasser der Saale zuführen. Das rechte Saalufer bleibt nun flach bis zum kleinen aufstrebenden Solbade Dürrenberg (250 Einw.), dessen Salzwerk der Zechsteinformation angehört. Auf der östlich sich ausbreitenden Ebene liegen das Dorf Schladebach, bekannt wegen seines 1748 m tiefen Bohrloches, und die Stadt Lützen (3700 Einw.), wo 1632 Gustav Adolf von Schweden fiel und wo 1813 bis zum Dorfe Großgörschen zwischen den Verbündeten und den Franzosen gekämpft wurde. Oberhalb Dürrenberg treten leichte Böschungen zu engerer Umrandung der Saale zusammen. Auf dem Hochrande des linken Ufers liegt der Eisenbahnknotenpunkt Korbetha. Malerisch am rechten Saalufer erbaut ist Weißenfels (26000 Einw.), das seinen Namen vom »weißen Fels« hat, dem hell schimmernden Sandstein, der hier die Uferränder bildet. Die preußische Stadt wird vom Schlosse Neu-Augustusburg ([Abb. 10]) überragt, das von 1680–1746 die Residenz der Herzöge von Sachsen-Weißenfels war. In der lebhaften Industrie nimmt die Herstellung von Schuhwaren einen bedeutenden Rang ein. Den ersten Anstoß zum Aufschwung der Stadt gaben aber die reichen Braunkohlenlager der weiteren Umgebung. Von hier aus dehnt sich ein weites Gebiet über Teuchern (5400 Einw.) bis Stößen (1250 Einw.), Osterfeld (1700 Einw.), Hohenmölsen (3000 Einw.) und Zeitz aus, das außerordentlich reich an Braunkohlengruben ist und wo sich infolgedessen eine Großindustrie in der Herstellung von Solaröl, Teer und Paraffin entwickelt hat, deren Bedeutung sich an der Anlage mehrerer Eisenbahnlinien erkennen läßt. Die jährliche Kohlenförderung im Regierungsbezirk Merseburg beschäftigt etwa 13000 Arbeiter und bringt acht Mill. Tonnen im Werte von 18 Mill. Mark. Die seit 1815 preußische Stadt Zeitz (24800 Einw.) erhebt sich auf den Buntsandsteinhöhen am Südufer der weißen Elster und ist eine außerordentlich betriebsame Fabrikstadt, in deren Umgebung viele Braunkohlenwerke im Betrieb sind. Das ehemalige Bistum bestand nur von 968–1028, in welchem Jahre es nach Naumburg verlegt und dann Naumburg-Zeitz genannt wurde. Das Schloß Moritzburg (an Stelle des bischöflichen im XVII. Jahrhundert erbaut) ist jetzt Armen- und Besserungsanstalt.

Abb. 13. Bad Kösen.
(Nach einer Photographie von Junghanns und Koritzer, Leipzig-Meiningen.)

Naumburg. Weinbau.

Der schönste Teil des Saalethales ist sein mittlerer Teil von Naumburg bis Saalfeld, wo der Fluß im Muschelkalk und Buntsandstein sich ein geräumiges Bett gegraben hat. Schon oberhalb von Weißenfels mehren sich die alten Burgen, die von den Uferhöhen ins Thal hinunterleuchten und uns die Wichtigkeit dieses Flußstückes für den Verkehr erkennen lassen. Im allgemeinen sind die Orte am linken Ufer als Verteidigungsposten gegen die vordrängenden Slaven zu betrachten, während die Hauptpunkte am rechten Ufer zum Schutze der Straße dienten und zur Förderung der Slavenunterwerfung angelegt wurden. Am linken Ufer ist hoch oben Schloß Goseck erbaut, schon 899 eine Schutzburg gegen die Sorben, dann Sitz der sächsischen Pfalzgrafen. Im Jahre 1041 wurde Goseck in eine Benediktinerabtei umgewandelt und dort in Basilikenform eine kleine Kirche erbaut. Heute ist Goseck ein epheuumrankter Gutssitz, von dessen üppigen Gartenanlagen aus man herrliche Blicke ins Saalthal hat. Gegenüber am rechten Ufer erhebt sich der alte Turm der Schönburg (Sconinburg = schöne Burg), 1062 vom Landgrafen Ludwig dem Springer erbaut und später zum Hochstifte Naumburg gehörig. Als die Burgvögte sich aber dem Räuberhandwerk ergaben, wurde die Burg 1446 zerstört. Unweit mündet das Thal der Wethau, das bis zum Buntsandstein einschneidet und im unteren Teile kräftige Formen zeigt. Der Thalgrund ist mit Wiesen erfüllt, die Hänge mit einzelnen Baumgruppen geschmückt; im oberen Teile verflacht es sich und führt langsam zur Höhe von Eisenberg, einer welligen Fläche mit vorwiegendem Landbau; bewaldete Thalränder oder flache bewaldete Kuppen verleihen der Landschaft abwechslungsvollen Reiz.

Abb. 14. Die Rudelsburg und Saaleck.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)

An der Unstrutmündung erreicht die grüne Saalaue eine Breite von 1–2 km. Hier liegt auf der Höhe der Muschelkalkplatte am rechten Saalufer Naumburg (21200 Einw.), einst der Sitz des von Zeitz hierher verlegten Bistums und ein Mittelpunkt für die Ausbreitung des Christentums nach dem Osten. 1534 kam es an Sachsen und 1815 nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses an Preußen. An die alte Zeit erinnert der schöne im XIII. Jahrhundert im romanisch-gotischen Übergangsstil erbaute Dom. An der Stelle des heutigen Oberlandsgerichts stand die vom Markgraf Eckard von Meißen zu Ausgang des X. Jahrhunderts gegründete Neue Burg (= Naumburg). Die Stadt ([Abb. 11]) hatte früher bedeutende Messen, erfreut sich jetzt lebhafter Industrie und treibt mit großem Erfolg Obst-, Gemüse- und Weinbau.