Abb. 15. Dornburg um 1650 (nach dem gleichzeitigen Stich von Merian).
Abb. 16. Dornburg.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)
Von hier saalaufwärts bis in die Gegend von Jena und an der unteren Unstrut hat die Anlage von Weinbergen, die mit ihren kleinen Wachthäuschen hoch an den Muschelkalkwänden hinaufreichen, der Gegend ein besonderes Gepräge gegeben; der Ertrag wird meist zu Schaumweinen verarbeitet. Es sind dies solche Gebiete, die eine wirkliche mittlere Jahrestemperatur von 8–9°C. haben, deren Sommerwärme aber noch beträchtlich erhöht wird durch ihre offene Lage nach Süden, wodurch eine außerordentlich wirksame Sonnenbestrahlung ermöglicht ist. Trotzdem haben die Weingelände der thüringischen Staaten und der Provinz Sachsen zusammen nur eine Ausdehnung von wenig mehr als zehn Quadratkilometern. Matthias Claudius, der »Wandsbecker Bote« und gemütvolle Volksschriftsteller, hatte freilich keine große Meinung vom Thüringer Rebensaft.
Thüringens Berge zum Exempel bringen
Gewächs, sieht aus wie Wein,
Ist's aber nicht; man kann dabei nicht singen,
Dabei nicht fröhlich sein.
Abb. 17. Johannisthor in Jena.
Die Chroniken des Mittelalters berichten vom Reifen der Trauben, viel häufiger aber vom Mißraten des Weins. Und doch war der Weinbau auf sonnenwarmen Geländen viel verbreiteter als heute, nicht allein im Camburgischen, sondern es grünten auch Rebengarten im Werrathale. Im XVI. Jahrhundert wurde in den Fluren von Saalfeld, Römhild und Meiningen Eigenbau gekeltert. Der Stadtrat von Pößneck verkaufte im Jahre 1464 etwa 2000 Eimer Landwein, und obwohl er die Kanne zu vier Pfennigen abgab, hatte er doch noch einen Gewinn von 472 Schock Groschen! Klöster, Städte und Fürsten pflegten den Weinbau in der Absicht auf Gewinn; Bürger und Bauern aber deshalb, weil sie kein besseres Getränk hatten und dabei mehr auf die Menge als auf den Geschmack achteten. Hier knüpft vielleicht das Sprichwort »Sauer macht lustig« an, sowie im XVII. Jahrhundert ein Kenner von den Meininger Weinbergen als von einer Gegend sprach, »wo weinend die Berge Naturweinessig erzeugen«.