Abb. 18. Jena um 1610 (nach einem gleichzeitigen Stiche von Kehr).

Schulpforta.

Am Fuße des buchenbestandenen Knabenberges liegt wie ein schmuckes kleines Städtchen Schulpforta ([Abb. 12]), im Jahre 1137 als Cistercienserkloster St. Marien zur Pforte gegründet. Das Kloster hatte reiche Zuwendungen an Wald und Feld, Wiesen, Mühlen, Weinbergen und Geld, die Mönche mußten aber nach vier Jahrhunderten von dannen ziehen. 1543 wurde Pforta vom Herzog Moritz von Sachsen in eine Lehranstalt umgewandelt, aus welcher viele hervorragende Männer hervorgingen. In Erinnerung an Klopstock, der einst hier auf der Schulbank gesessen, schrieb Goethe:

An dem stillbegrenzten Orte
Bilde dich, so wie's gebührt;
Jüngling, öffne dir die Pforte,
Die ins weite Leben führt!

Der Name Pforte wird aber auch auf die Furt (vorte) von Almerich (Alteburg) bezogen, nach der von Naumburg her eine durch zwei burgähnliche Anlagen geschützte Beistraße führte, um aus der linken Seite der Saale in den Königsweg (strata regia) einzumünden. Dieser Königsweg ist die alte Leipzig-Frankfurter Straße, die über Merseburg, Freyburg an der Unstrut, Erfurt und Eisenach führte. Erst im XV. Jahrhundert wurde die Straße über Kösen geführt, da die steinerne Brücke erst 1404 erbaut wurde und zur Gründungszeit des Klosters Pforta (1137) noch nicht bestand. Im XII. und XIII. Jahrhundert bewegte sich der Hauptverkehr von Naumburg auf der Buchstraße, die auf der Höhe bei Heiligenkreuz sich gabelte, um als oberländische oder Regensburger Straße über Eisenberg, Gera, Hof nach Regensburg zu führen, anderseits über Camburg im Saalthale aufwärts nach Saalfeld und über den Thüringerwald nach Nürnberg zu ziehen. Die Namen der Dörfer Flemmingen erinnern an die holländischen (vlämischen) Ansiedler, die in frühester Zeit zur Hebung des Landbaues, besonders der versumpften Thalflächen, herbeigerufen wurden.

Kösen.

An der Stelle einer alten Slavenniederlassung liegt in engem Thalkessel das preußische Städtchen Kösen (2800 Einw.), dessen 1686 entdeckte Salzquellen dem Muschelkalk entspringen. Sie sind seit 1731 im Betrieb, werden jetzt aber nur für Kurzwecke benützt, wodurch der Ort, der erst seit 1868 Stadt wurde, sich zum viel besuchten Solbade ([Abb. 13]) entwickelt hat. Wegen seiner Lage am engen Saaldurchbruche, dem Passe von Kösen oder der Kösener Pforte, war der Platz auch kriegsgeschichtlich von Bedeutung. Nächst der Fährstelle zur Katze (vom slav. kaza = wild, reißend) windet sich der Pfad hinauf zu der auf steilem Muschelkalkfels 85 m hoch über den Schlangenwindungen der Saale thronenden Rudelsburg ([Abb. 14]), einer aus dem XII. Jahrhundert stammenden Feste, die mit ihrer Vorburg Saaleck, wovon nur noch zwei Türme sichtbar sind, eine bedeutende Wacht- und Verteidigungsstätte am wendischen Grenzgebiete war. Im 30jährigen Kriege zerstört, wurde sie später zum Teil erneuert, so daß sie jetzt zu einer der schönsten und viel besuchtesten Ruinen Deutschlands gehört. Auf dem Platze innerhalb der äußersten Burgmauer erheben sich die Denkmäler für Kaiser Wilhelm I., für die im Kriege 1870/71 gefallenen Verbindungsstudenten und für Bismarck als Student. Geschichte und Sage haben um die alte Burg ihre Kränze geschlungen und durch die geborstenen Hallen wird noch lange das Lied tönen, das Franz Kugler hier oben dichtete:

»An der Saale hellem Strande
Stehen Burgen stolz und kühn.«

Dornburg.

Bei Großheringen biegt das Saalthal in scharfem Winkel nach Süden um, und nun entwickeln sich ganz eigenartige Landschaftsbilder, ausgezeichnet durch die steil abfallenden Muschelkalkberge, die das Thal bis südlich von Jena umschließen. Das meiningische Städtchen Camburg (2800 Einw.) liegt in einer freundlichen Thalung, umkränzt von Wein- und Obstgeländen und überragt vom altersgrauen Matzturm. Hoch über dem Dorf Naschhausen schimmern von der Felskante drei weimarische Fürstenschlösser ins Thal, die Schlösser von Dornburg, während das Landstädtchen Dornburg (670 Einw.) hinter Gartenbäumen auf der Hochfläche versteckt liegt, 125 m über der Saale. Das nördliche Schloß ist die eigentliche Burg, an die sich die Geschichte Dornburgs anknüpft, und stammt in der Hauptsache aus dem Anfange des XVI. Jahrhunderts. [Abb. 15] gibt eine Darstellung des Schlosses im Jahre 1631: Kroaten, die das Schloß geplündert und die Herzogin verwundet hatten, werden von herbeigeeilten Landleuten und Soldaten die Felsen hinabgejagt. Das mittlere oder neue Schloß wurde erst im XVIII. Jahrhundert an Stelle von 22 Privathäusern im Rokokostil errichtet. Das südliche Schloß ist das Stohmannsche oder kleine Schlößchen, im XVI. Jahrhundert in der Blütezeit der deutschen Renaissance entstanden. Über der Eingangsthür ist ein wohl erst anfangs des XVII. Jahrhunderts eingefügter lateinischer Spruch vorhanden, den Goethe mit den Worten übersetzte.