Als Glieder des 1805 gestifteten Rheinbundes nahmen die Herzogtümer die in ihren Landen gelegenen reichsritterschaftlichen Gebiete in Besitz. Als 1825 mit dem Tode Friedrichs III. die Linie Gotha-Altenburg ausstarb, gab es wieder Erbstreitigkeiten, die aber durch den Erbteilungsvertrag von 1826 geschlichtet wurden. Der Herzog von Hildburghausen überließ sein ganzes Land seinen Mitbewerbern, empfing aber dafür das Herzogtum Altenburg. Gotha wurde mit Coburg, Hildburghausen und Saalfeld mit Meiningen vereinigt, von kleineren Gebietstauschen abgesehen. Damit entstanden die drei noch heute blühenden Linien des sächsisch-Ernestinischen Hauses: Meiningen-Hildburghausen, Coburg-Gotha und Altenburg. Auch die schwarzburgischen Linien Rudolstadt und Sondershausen erlangten 1825 völlige Selbständigkeit.
Schon während der Landgrafenzeit hatte die Kirche in den thüringischen Landen ihre Besitzungen weiter ausgedehnt und befestigt. Im südlichen Teile griffen die Besitzungen der Abtei Hersfeld bis gegen Salzungen auf thüringisches Gebiet über. Das Erzbistum Mainz hatte Erfurt und das Eichsfeld im Besitz, an der Saale blühten die Bistümer Merseburg und Naumburg-Zeitz. Vom XII. bis XV. Jahrhundert waren eine große Zahl Stifter, Klöster und Ordenshäuser entstanden. Im Jahre 1803 kam Erfurt sowie das Eichsfeld an Preußen, ebenso die nördlichen thüringischen Besitzungen des Kurhauses Sachsen.
IV.
Merseburg.
Wir beginnen unsere Wanderung am Nordostpfeiler Thüringens, bei der alten auf hohem Uferrande gelegenen preußischen Kreisstadt Merseburg (18800 Einw.). Die Stadt lag dicht am slavischen Wohngebiete, erhob sich im X. Jahrhundert unter König Heinrichs, des »Städtegründers« Regierung hinter neuen Mauern und umschloß den Dom, der später Sitz des Bistums wurde, sowie die Pfalz den Hof zu vereinigen pflegte. Als Stifter Merseburgs kann Heinrich der Finkler angesehen werden, der als Markengründer so segensreich im Osten unseres Vaterlandes waltete. Otto I. gründete infolge eines Gelübdes das Domstift, das für Kultur und Verbreitung des Christentums im deutschen Osten von hoher Bedeutung war. Der alte Dom und das Schloß sind die Charaktergebäude Merseburgs, die flußwärts das Landschaftsbild beherrschen ([Abb. 5]). Die Turmbauten des Domes stammen noch aus dem XI. Jahrhundert, die anderen Bauteile meist aus dem XIII. Jahrhundert, das spätgotische Schiff aus dem Ende des XV. Jahrhunderts. Der Dom ([Abb. 6]) strebt nicht sehr in die Höhe, macht aber trotz seiner 1886 vollendeten Erneuerung einen altertümlichen Eindruck und besitzt einen außerordentlich stimmungsvollen Kreuzgang ([Abb. 7]). Im Chor befindet sich eine Metallplatte als Denkmal für den 1080 im Kampfe gegen Heinrich IV. gefallenen Gegenkönig Rudolf von Schwaben. Das Schloß umfaßt mit seinen drei Flügeln einen weiten viereckigen Hof von sehr malerischer Wirkung ([Abb. 8]). Der turmreiche Bau wurde 1483 bis 1561 errichtet, Ende des XVII. Jahrhunderts zum Teil erneuert und ist jetzt Regierungsgebäude. Im Schloßhofe stehen ein figurengeschmückter dreiseitiger Ziehbrunnen und der alte schwarze Käfig, worin der historische Merseburger Rabe gefüttert wird. Die Sage erzählt von einem dem Bischof Thilo von Throta gestohlenen Ringe, den ein Rabe bei geöffnetem Fenster aus des Bischofs Gemach getragen; von dem Verdacht, der auf einen der bischöflichen Diener gelenkt wurde, der unter der Folter ein Geständnis machte und darauf hingerichtet wurde; und wie dessen Unschuld an den Tag kam, als ein Schieferdecker bei Ausbesserung des Turmes den Ring im Rabenneste auffand. Die Stadt entwickelt sich neuerdings zu einem lebhaften Industrieplatze.
Abb. 11. Naumburg.
(Nach einer Originalaufnahme von Carl Becker in Naumburg.)
In dem Dreieck Halle-Weißenfels-Leipzig reicht die Sächsisch-Thüringische oder Leipziger Bucht des Norddeutschen Tieflandes bis nach Thüringen hinein, im äußersten Dreieckwinkel das Ausgangsthal der Saale einschließend und deshalb die beste Eingangspforte nach Thüringen bildend. Mit Ausnahme des Südwestens und Westens entwässert ganz Thüringen zur Saale, deren Nebenflüsse zur Linken ins Land hineingreifen wie ein aufgespannter Fächer. Die Saale ist also der bedeutendste Fluß Thüringens und bildet in der Thalstrecke Merseburg-Naumburg einen natürlichen Verbindungsweg zwischen Ost und West. Von der Quelle bis zur Mündung in die Elbe hat sie eine Flußlänge von 450 km und ein Stromgebiet von 23776 Quadratkilometern.
Abb. 12. Schulpforta.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)