Weiter aufwärts im lieblichen Saalthale bauten seit 1170 die Mönche von St. Marien von der Pforte in Porstendorf (Bosindorf) die hochgeschätzten »Borsdorfer« Äpfel. Gegenüber von Kunitz, über dem die Mauerreste der Kunitzburg ins Thal blicken, bestand in Zwätzen eine Kommende des deutschen Ordens; jetzt ist die Komthurei in eine landwirtschaftliche Musterwirtschaft umgewandelt. Weit liegt am linken Saaleufer die Stadt Jena (15500 Einw.) ausgebreitet, auf beiden Uferseiten bewacht von hellfarbigen Kalkbergen. Jena ist einer der hervorragendsten geistigen Mittelpunkte Thüringens, wo sich Nachklänge einer großen Vergangenheit einen mit den jugendfrohen Lebensäußerungen der Gegenwart, und ein eigentümlicher Liebreiz ist der Stadt geblieben trotz winkeliger Gassen und hochgiebliger Häuser ([Abb. 17]). Schon Goethe lobte den Ort in seinen »Lustigen von Weimar«:

»Donnerstag nach Belvedere,
Freitag geht's nach Jena fort:
Denn das ist, bei meiner Ehre,
Doch ein allerliebster Ort!«

Unsere Abbildungen [18] und [19] zeigen die Veränderungen des Stadtbildes in 300 Jahren, für welche die Hochschule von erheblicher Bedeutung wurde. Die Universität, von Johann Friedrich dem Großmütigen gestiftet, wurde 1558 eingeweiht und erfreut sich noch heute einer dauernden Blüte, obwohl sie am Ende des XVIII. Jahrhunderts einen dreimal größeren Studentenbesuch hatte; die Bibliothek umfaßt 220000 Bände. An vielen Häusern erzählen uns kleine Gedenktafeln von den Geistesgrößen, die da gewohnt und gelehrt haben. Arndt, Schelling, Fichte, Goethe, der oft hier weilte, und vor allem Schiller, der 1789 als Professor der Philosophie und Geschichte nach Jena berufen wurde und hier 10 Jahre blieb. Im ehemaligen Schillerschen Garten erhebt sich jetzt die neue Sternwarte und eine Büste des Dichters, daneben steht auf einem Granitblock die Inschrift: Hier schrieb Schiller den Wallenstein 1798. Die Stadt- oder Michaeliskirche, 1301 eine Niederlassung des Cistercienser-Nonnenklosters in Roda, ist eine der größten Kirchen Thüringens. Ein mit der Studentenschaft in enger Verbindung stehendes Haus ist der Burgkeller ([Abb. 20]), um 1546 in derber Hochrenaissance erbaut. In die fröhliche Studentenzeit zurück führt die Bezeichnung der sieben Wunder Jenas: ara (Durchgang unter dem Altar der Stadtkirche), caput (der Schnapphans an der Rathausuhr), draco (von Studenten im XVII. Jahrhundert zum Scherz zusammengestelltes skelettartiges Gebilde), mons (der Hausberg), pons (die Camsdorfer Brücke), vulpecula turris (der Fuchsturm), Weigeliana domus (das Weigelsche Haus in der Johannisgasse, jetzt abgebrochen). Als die jugendlichen Kämpfer der Musenstadt aus den Freiheitskriegen zu ihren Studien zurückkehrten, gründeten sie zu warmer Pflege der Vaterlandsliebe die Burschenschaft, die ihnen in den nächsten Jahren so viele Verfolgungen bringen sollte. Zur Erinnerung daran wurde 1883 das Burschenschaftsdenkmal ([Abb. 21]) errichtet, ein Student in der Tracht von 1817, Fahne und Schwert haltend, ein schönes Marmorwerk von Donndorf. Industriell bedeutend ist die optische Werkstatt von Zeiß, die einschließlich der Glashütte über 1000 Arbeiter beschäftigt und eine der ersten Anstalten dieser Art in Deutschland ist.

Abb. 21. Burschenschaftsdenkmal in Jena.

Von der Höhe des Forstes genießt man den besten Überblick über die Landschaft: die Kalkhöhen des Jenzig, Hausbergs, der Kernberge, durch scharfe Thäler voneinander getrennt; die weißbiergesegneten Dörfer Ziegenhain, Lichtenhain ([Abb. 22]) und Wöllnitz; nach dem kleinen Dorfkirchlein von Wenigenjena, wo sich Schiller mit seiner Lotte trauen ließ. Im Walde, wo sternförmig eine Anzahl Schneißen zusammengehen, hat man ein anmutiges Bild der alten Saalefesten, durch je eine Waldstraße erblickt man die Kunitzburg, den Fuchsturm (der letzte Rest der drei Hausbergburgen, Abb. 23) die Lobedaburg, die Leuchtenburg bei Kahla. Steil ragen die Muschelkalkberge stufenweise über die Waldflächen des Sandsteins. Trotz ihrer Pflanzenarmut sind sie von malerischem Reiz, wenn sie sonnenbestrahlt in leuchtenden Farben prangen.

Abb. 22. Lichtenhain.

Roda. Eisenberg.

Oberhalb des weimarischen Städtchens Lobeda (900 Einw.) zieht rechtwinklig zum Saalthale das Thal der Roda aufwärts, an deren Ufer die altenburgische Stadt Roda (3700 Einw.) liegt, eine stille Sommerfrische; weiter östlich setzt sich das untere Rodathal im lieblichen Zeitzgrund fort. Beide in die Sandsteinplatte eingewaschene Thäler werden von der Eisenbahn benutzt, die dann über die 340 m hohe Wasserscheide und vorüber an dem an Sandsteinbrüchen reichen Kraftsdorf nach dem Elsterthale führt. Von hier aus südlich herrscht, abgesehen von den Muschelkalkschollen bei Kahla und Saalfeld, Sandstein vor bis an den Saalfeld-Pößnecker Zechsteingürtel. Im Gegensatze zu den steilen Formen des Muschelkalkes zeigt der Sandstein sanfte abgerundete Formen und ist ausgezeichnet durch große Fichten- und Kiefernbestände, die nördlich fast bis zur altenburgischen Stadt Eisenberg (8000 Einw.) reichen. Eisenberg liegt auf einem Sandsteinkegel, hat ein altes Schloß (Christiansburg) und lebhafte Industrie. Eine Zweigbahn führt ins Thal der Rauda bis Krossen; aufwärts ist das Raudathal ein hübsches Waldthal, wegen zahlreicher Wassermühlen auch Mühlthal genannt, und führt bis zu den Sommerfrischen Klosterlausnitz (1600 Einw.) und Hermsdorf (2200 Einw.). Südlich von Roda führt das Thal des roten Hofbaches nach dem kleinen Lustschlosse »Fröhliche Wiederkunft«; westlich davon bei Hummelshain steht in prachtvoller Waldumrahmung ein neues Schloß ([Abb. 24]) des Herzogs von Altenburg.