Kahla. Orlamünde.

Die altenburgische Stadt Kahla (4400 Einw.) war früher stark befestigt und hat heute bedeutende Porzellanfabrikation, die 800 Arbeiter beschäftigt. Der Dohlenstein mit den Schutthalden zweier Bergrutsche ([Abb. 25]) und der 400 m hohe Kegel der Leuchtenburg sind getrennte Muschelkalkinseln an der rechten Thalflanke. Die Leuchtenburg ist wohl ursprünglich im IX. Jahrhundert als Schutzburg gebaut, später oft zerstört und wieder aufgebaut worden und bildet heute ein stolzes Wahrzeichen der mittleren Saalgegend. Hoch auf dem Sandsteinrande gegenüber der Orlamündung liegt das altenburgische Städtchen Orlamünde (1400 Einw.). Innerhalb der Ruinen der alten Stadtbefestigung steht die Kemnate, der letzte Rest der alten Grafenburg, wo einst das Geschlecht der im XVI. Jahrhundert erloschenen Grafen von Orlamünde hauste. An dieses Geschlecht knüpft sich die Sage von der weißen Frau an, der Gräfin Kunigunde, die in verblendeter Liebe zum schönen Burggrafen Albrecht von Nürnberg ihre beiden Kinder tötete und wegen ihrer Schuld selbst nach dem Tode keine Ruhe finden konnte, sondern da und dort als »weiße Frau« erschien. Die Orla mündete in alter Zeit bei Saalfeld in die Saale, ehe jener Nebenfluß, der jetzt den Unterlauf der Orla bildet, rückwärts einschneidend die Veranlassung gab, daß die Orla nun von Pößneck nach Orlamünde durchbrach und in der Richtung nach Saalfeld die Thalwasserscheide von Könitz gebildet wurde.

Das soeben beschriebene Gebiet des aus Buntsandstein bestehenden Südteiles der Saaleplatte bildet ungefähr den Westkreis des Herzogtums Altenburg, das »Altenburger Holzland«, das 44 vom Hundert seiner Fläche mit Wald, meistens Nadelwald, bewachsen hat. Das Klima ist hier rauher als im altenburgischen Ostkreise, dem Holzwuchse aber nicht ungünstig. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt hier vom Walde, d. h. von der Zubereitung von Hölzern für gewerbliche Zwecke und von der Herstellung allerlei Holzgerätschaften, besonders in Klosterlausnitz. Dieses »Holzland« hat nur 46 vom Hundert seiner Fläche Äcker und Gärten, und nur sieben vom Hundert Wiesen, die sich meist auf die flachen Thalungen beschränken.

Rudolstadt.

Aus grüner Saalaue erhebt sich Rudolstadt (12000 Einw.), die freundliche Hauptstadt des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt (Abb. 26). Die Stadt wird urkundlich zuerst im Jahre 800 als Eigentum des Klosters Hersfeld erwähnt, 1227 als Besitz des Grafen von Orlamünde; 1335 kam sie an die Grafen von Schwarzburg. Sie wird überragt vom Residenzschloß Heidecksburg, das sich weithin sichtbar auf dem 50 m hohen Vorberge des hinter dem Schloß noch weiter ansteigenden Hainberges erhebt, der die Saale vom Wüstenbach trennt. Schon im XVIII. Jahrhundert blühten hier verschiedene Industriezweige, besonders Porzellanherstellung und Glockengießerei, die ganz Thüringen mit Glocken versorgte und wo Schiller seine Studien für die »Glocke« gemacht haben soll. Schiller kam zuerst 1787 nach Rudolstadt und nahm 1788 seinen Sommeraufenthalt im benachbarten Dorfe Volkstedt (1570 Einw.). Abends war er meist in Rudolstadt bei der ihm befreundeten Frau von Lengefeld, deren Tochter Charlotte er später als Gattin heimführte. Am rechten Saalufer gegenüber Volkstedt erhebt sich ein Fels, an dessen Wand zu Ehren des Dichters seine Büste angebracht wurde, seitdem ist diese »Schillerhöhe« ([Abb. 27]) ein viel besuchter Platz geworden.

Abb. 23. Fuchsturm bei Jena.

Saalfeld.

In geringer, nur einige Kilometer betragender Entfernung von Rudolstadt mündet bei Schwarza (1300 Einw.) die klare ehemals goldführende Schwarza in die Saale. In freundlicher Thalweite liegt an den Ufern der Saale die meiningische Stadt Saalfeld (10000 Einw.), eine der ältesten Städte Thüringens ([Abb. 28]) und einst im Schutze der Sorbenburg entstanden ([Abb. 29]). Sie war der befestigte Mittelpunkt des alten Orlagaus und lange Zeit von gemischter thüringischer und sorbischer Bevölkerung bewohnt. Ein lebhafter Marktverkehr blühte, begünstigt vom Flußverkehr und dem benachbarten Bergwerksbetrieb, obwohl spätere Jahrhunderte wiederholte Zerstörungen brachten. Der Erzbischof Anno von Köln gründete hier 1071 eine Benediktinerabtei, an deren Stelle in der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts das herzogliche Schloß gebaut wurde. Das Franziskanerkloster nahm 1578 bis 1579 die Universität auf, als Professoren und Studenten wegen einer schweren Seuche aus Jena flüchteten. Malerisch schaut mit seinen Ziergiebeln das aus dem XIV. Jahrhundert stammende Schlößchen Kitzerstein ins Flußthal herab. Die benachbarte Sorbenburg oder Hohenschwarm ist wohl im X. oder XI. Jahrhundert erbaut worden, wurde aber seit dem XVI. Jahrhundert zur Ruine, die mit ihren beiden Türmen ein sehr wirkungsvolles Bild gibt. Der Befestigungskranz der Stadt wurde in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts begonnen, entspricht im übrigen jedoch den Anlagen des XV. und XVI. Jahrhunderts. Aus dem XVI. Jahrhundert stammt auch das schöne mit Treppenturm, Giebeln und Dachtürmen geschmückte Rathaus, eine Verschmelzung von Spätgotik mit Frührenaissance. Wie überall trat auch hier infolge des dreißigjährigen Krieges ein betrübender Niedergang ein, und erst im XIX. Jahrhundert kam die Zeit eines erneuten Aufschwunges und reger Industriethätigkeit. Nördlich von Saalfeld erhebt sich der 482 m hohe Muschelkalkkegel des Kulm, von dessen 19 m hohem Aussichtsturm sich eine weite Rundsicht erschließt, im Norden bis zum Fuchsturm bei Jena, im Westen bis zur dunklen Kuppe des Kickelhahnes bei Ilmenau, nach Osten bis Ranis und Hummelshain. Der ganze sich von hier aus nach Osten ausdehnende Höhenzug heißt die Heide, eine Sandsteinplatte von durchschnittlich 400 m Höhe und durch Flußläufe in ein Hügelland aufgelöst.