Abb. 24. Schloß Hummelshain.
Einen außerordentlich lehrreichen Aufschluß des Geländes sieht man oberhalb Saalfelds bei Obernitz: stark verbogene devonische Schichten, deren von der alten Meeresbrandung zerstörte Oberfläche beinahe wagerecht von Zechstein überlagert ist. Die Schichtenbiegungen der devonischen Kalke und Schiefer stammen aus der Zeit der oberen Steinkohle. Damals bildeten diese Falten die hohen und langen Gebirgsketten der mitteldeutschen Alpen, von denen jetzt nur noch das Fundament vorhanden ist. Über die eingeebnete Faltenruine sind die Zechsteinkalke hingebreitet. Der ausgedehnte Zechsteingürtel, der fast den ganzen Rand des Thüringerwaldes begleitet, erscheint hier in erheblicher Breite und streicht über Pößneck bis gegen Gera, die nördliche Sandsteinplatte trennend von der südlich auftretenden unteren Karbonformation, die sich meist aus Schiefern und Grauwacken zusammensetzt. Der Zechstein, eine vorherrschende Kalkablagerung, hat seinen Namen von den Zechen, den Häuschen der Bergleute, was schon darauf hinweist, daß in seinem Gebiete ein lebhafter Bergbau betrieben wird, in der Gegend von Saalfeld bis Ranis schon von alters her. Am wichtigsten sind die Eisenwerke von Kamsdorf, Unter-Wellenborn und Röblitz. Der Zechsteingürtel bildet hier eine Senke, die schon früh verkehrswichtig war und die auch den Weg vorschrieb für die Eisenbahn Saalfeld-Weida.
Abb. 25. Kahla mit der Leuchtenburg.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)
Pößneck.
Der rudolstädtische Marktflecken Könitz (800 Einw.) wird von einem im XVI. Jahrhundert erbauten Schlosse überragt, ehemals eine Besitzung der deutschen Könige. Das Städtchen Ranis (2000 Einw.) gehört zum preußischen Kreise Ziegenrück und liegt zu Füßen der alten malerischen Burg Ranis. Ein wichtiger Industrieplatz ist die meiningische Stadt Pößneck (11000 Einw.) geworden, nach dieser Richtung hin »die Krone der meiningischen Städte« genannt ([Abb. 30]). Schon seit dem Mittelalter blüht hier die Tuch- und Lederfabrikation, denen in neuerer Zeit noch Flanellherstellung (jährlicher Umsatz zwölf Millionen Mark), besonders aber Porzellanfabriken (darunter eine mit 800 Arbeitern) und Schokoladefabrikation (die etwa 1000 Arbeiter beschäftigt) zugesellt wurden. Die alte Stadtkirche stammt aus dem XIV., das mit zierlicher Freitreppe versehene gotische Rathaus ([Abb. 31]) aus dem XV. Jahrhundert. Beachtenswert sind in nächster Nähe der Stadt die mit Fichten bestandenen wallartigen Höhen der Altenburg und der Haselberge, Dolomitriffe, die nun aus der gesunkenen Zechsteinumgebung aufragen (s. [Abb. 30]).
Neustadt. Triptis.
Von Wichtigkeit ist auch die weimarische Kreisstadt Neustadt an der Orla (6000 Einw.), mit hübschem, später durch Anbauten entstellten Rathaus aus dem Anfange des XV. Jahrhunderts. Südlich der Stadt liegt das Dörfchen Arnshaugk mit einem Schlosse, das an der Stelle des alten Stammsitzes der Ende des XIII. Jahrhunderts ausgestorbenen Grafen Arnshaugk erbaut ist. An der oberen Orla liegt das weimarische Städtchen Triptis (2250 Einw.), wo eine Bahn nach der auch als Sommerfrische besuchten weimarischen Stadt Auma (2500 Einw.) und dann über Ziegenrück nach Blankenstein läuft. Triptis liegt 368 m hoch über dem Meere; in ähnlicher Höhe überschreitet die nach Nordosten führende Bahn die Wasserscheide zwischen Saale und Elster.
Saaleoberlauf.
Von waldigen Bergen umrahmt, mündet bei Eichicht (450 Einw.) die Loquitz in die Saale, die hier ihren Oberlauf beginnt. Die Landschaft zeigt hier völlig veränderte Formen, da der Fluß in außerordentlich zahlreichen Krümmungen sich nun in das Schiefergebirge sein Bett gegraben hat. Steile Wände bilden die Thalränder, oft ragen die dunklen Felsen aus dem Nadelwald hervor und engen den Fluß ein, so daß fast nirgends Raum für eine Straße bleibt. Nur an wenigen Stellen wird der Fluß von Brücken überschritten, da im engen Thale auch keine Orte erbaut werden konnten. Nur an der Mündung des Drebabaches winden sich die schmalen Häuserzeilen der preußischen Kreisstadt Ziegenrück (1200 Einw.) empor, überragt vom alten Schlosse. Die Holzausbeute der weit ausgedehnten Wälder wird hier gesammelt und dann nach Camburg oder Kösen verflößt. Beachtenswert sind bei Ziegenrück wie bei Saalfeld altdiluviale Schotterlager mit oligozänen Quarzgeröllen, auf Höhenstufen liegend, die sich 115–130 m über dem heutigen Wasserspiegel befinden. Von dieser Höhe also hat sich der Fluß die Thalrinne ausgenagt, in der er heute fließt. Eine neue dem rechten Ufer folgende Straße führt nach dem Luftkurort Walsburg, gegenüber der Mündung des Wiesenthales.