Alter Bergbau.
Ein Seitenstück zu Schwarzburg in Bezug auf landschaftliche Schönheit bietet Schloß Burgk, das hoch auf einer bewaldeten von der Saale umspülten Felshöhe thront. Das Schloß erhielt seine jetzige Gestalt erst im XV. Jahrhundert, während die frühere Burg weiter südlich und näher dem Flusse lag. Am Flusse liegt der Burgkhammer, früher ein bedeutendes Eisenwerk, heute eine Sägemühle, zu der durch den Schloßberg von einer der oberen Saalwindungen ein Kanal geleitet ist. Viele Ortsnamen mit der Endung »hammer« deuten auf alten Bergbau hin. Am frühesten, etwa bis zum XIII. oder XIV. Jahrhundert, dürfte eine Bergbauthätigkeit in den Seifenarbeiten auf Gold und Zinn gewesen sein, also die im Erdreich vorhandenen Metallteilchen durch Wasser zu gewinnen. Dann gab es überall in Thüringen eine Blütezeit des Bergbaues, der aber zu Beginn des dreißigjährigen Krieges zu Grunde ging. An der oberen Saale wurden Stahlhütten betrieben und allein im Bergwerksgebiete des reußischen Landes waren über vierhundert Gruben im Abbau, dabei 319 auf Eisen, die übrigen auf Gold, Silber, Antimon, Kupfer, Blei und Alaun. Die Saale hat hier überall den Charakter eines in das Schiefergebirge eingeschnittenen Plateauflusses, der den größeren Rheinzuflüssen ähnelt und auch hohe landschaftliche Schönheiten aufweist, außer der Umgebung von Burgk besonders erwähnenswert die Abstürze des Heinrichsteins bei Gottliebsthal. Auch wo die Zuflüsse in engen Thälern rauschen, geben sie für größere Siedelungen keinen Raum, aber sie zerschneiden die Stufenplatten des Geländes, das dadurch einen reich gegliederten reizvollen Anblick bietet. Wir finden deshalb im ganzen Südosten Thüringens die meisten Orte auf der Höhe gelegen, im Gegensatze zum westlichen Thüringerwald, wo das Gebirge als Kamm ausgebildet ist und die Ortschaften meist in den anmutigen Thälern gebaut sind.
Abb. 26. Rudolstadt.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)
Hirschberg.
Das zu Reuß jüngere Linie gehörige Saalburg (860 Einw.) ist ein von Obstgärten umgebenes ärmliches Städtchen, in dessen Nähe Marmor gebrochen wird, der zur Silurformation gehört. Zusammenhängend mit der alten Stadtbefestigung sind die Ruinen einer im XI. Jahrhundert gegen die Sorben erbauten Burg. Saalburg war eine Hauptstation an der alten Frankenstraße Nürnberg-Leipzig, deshalb auch militärisch wichtig und von vielen Kriegszügen berührt. In der Nähe findet sich das Saalburger Eisloch, eine echte Eishöhle, im kleinen Bleiloch an den Bleibergen. Bei Saaldorf liegt in wildreichem Nadelwald das Jagdschloß Weidmannsheil; unweit davon überschreitet eine feste Brücke die Saale bei Gottliebsthal, gleich wie Haueisen aus einer Zeche entstanden. Auch der weiter oberhalb am Flusse liegende Lemnitzhammer ist heute kein Eisenwerk mehr, sondern liefert nur hölzerne Gebrauchsgegenstände. Bei dem kleinen Dorfe Blankenstein erreicht der Rennsteig, der auf der Höhe des Thüringerwaldes und Frankenwaldes entlang zieht, sein östliches Ende. Unterhalb des Dorfes mündet bei 411 m Höhe über dem Meere die Selbitz in die Saale. An den größten Flußkrümmungen bestehen jetzt immer öfter Thalweiten größerer Ausdehnung, die mit Wiesen bedeckt sind. Während das preußische Dorf Blankenberg mit seinem Schlosse noch auf der Höhe thront, reichen die Häuser des preußischen Dorfes Sparnberg schon bis an die Ufer herunter. Auch das reußische Städtchen Hirschberg (1800 Einw.) reicht bis ins Thal der Saale hinab. Auf einem Felskegel erhebt sich das Schloß, ehemals eine gegen die Sorben errichtete Befestigung. Von Blankenstein aus bildet die Saale die Grenze gegen Bayern, von der Mündung des Tann- oder Töpenerbaches verläuft das obere Saalthal nur in bayerischem Gebiete, an den Fichtenabhängen des Leuchtholzes noch einmal tief eingebettet, dann aber in flacherer Thalmulde, die von den Kuppen des umgebenden Tafellandes um nur 120 m überragt wird.
Abb. 27. Schillerhöhe bei Rudolstadt.
Hof.
Auf dieser Hochfläche liegt in 473 m Höhe (der Bahnhof liegt 505 m hoch) die bayerische Stadt Hof (27600 Einw.), die ein Mittelpunkt für Industrie und Verkehr geworden ist. Schon früh war sie der Hauptort des Regnitzlandes, erwachsen aus einem zum Schutze gegen die Slaven angelegten Hofe (Regnizi, Regnitzhof). In den Hussitenkriegen, im dreißigjährigen Kriege und in den Kämpfen am Anfange des XIX. Jahrhunderts wurde viel Wohlstand vernichtet, die Stadt blieb aber lebensfähig und erholte sich so bedeutend, daß ihre Einwohnerzahl in den letzten dreißig Jahren sich fast verdreifachte. Schon im XVI. Jahrhundert entwickelte sich die Gewebeindustrie, die Hof zum Hauptplatz der oberfränkischen Woll- und Baumwollindustrie gemacht hat. Die Spinnereien haben etwa 200000 Spindeln, die Webereien 1900 Stühle im Betrieb. Wichtige Straßenzüge laufen hier zusammen, Verbindungen von Nord nach Süd mit Abzweigungen nach Westen (Franken) und Osten (Böhmen), die ihren Ausdruck auch in der Anlage von Eisenbahnen gefunden haben. Am obersten Saallaufe sind noch erwähnenswert der Flecken Oberkotzau (2100 Einw.) am Einflusse der Schwesnitz, das Städtchen Schwarzenbach (3900 Einw.), schon in offenem Hügellande liegend, und der Flecken Zell (650 Einw.). Nur wenige Kilometer oberhalb Zell entspringt die Saale in einer Meereshöhe von 728 m an der Südwestflanke des Waldsteins (878 m hoch), der mit seinem Granitwall die nördlichste Umrahmung des Fichtelgebirgmassivs bildet und auf seinen Höhen prächtigen Fichtenwald trägt.