Abb. 28. Saalfeld.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)

Abb. 29. Saalfeld um 1650 (nach Merian).

V.

Osterland.

Von der Saale nach Osten zeigt die Landschaft eine mannigfaltigere Gliederung. Grüne Flußthäler haben volkreiche Orte entstehen lassen, die um so mehr Industrie treiben, je bequemer sie an den Hauptadern des großen Verkehrs liegen. Die Wälder bedecken nicht mehr unabsehbare weite Flächen, sondern sind in dem abgestuften Gelände eingeschränkt und machen großen Feldern Raum, die ihre fruchtbarsten Gebiete in den größten Thälern haben.

Ungefähr ein Dreieck mit den Spitzen Saalfeld, Hof und Altenburg schließt das Osterländische oder Vogtländische Stufenland ein, das sich nach Norden zum oben beschriebenen Saalfeld-Neustädter Zechsteingürtel, sowie nach Osten zum Elsterthale hin langsam abdacht. Es ist das alte Grenzgebiet gegen das Königreich Sachsen hin und zeigt von den altpaläozoischen Schichten aufwärts bis zum Kulm eine bedeutende Faltung, vorzugsweise in der Richtung von Südwest nach Nordost. Das ganze Gebiet ist eine plateauartige Hügellandschaft, zerschnitten von einer großen Zahl weit verzweigter Thäler, die nur in den tiefen Einschnitten der Elster, Göltzsch und Weida einen gebirgigen Eindruck hervorrufen. Der Haupterhebungssattel dieses ostthüringischen Gebietes ist ein Kambriumstreifen, der sich in einer Breite von 8–11 km von Südwest nach Nordost erstreckt, hier aber unter das Rotliegende des Erzgebirgischen Beckens untertaucht, nach Südwesten sich aber fortsetzt bis zur oberen Saale. Parallel zu diesem Hauptsattel steigt der weiter im Südosten gelegene Erzgebirgische Hauptsattel, und zwischen beiden liegt die etwa 11 km breite Vogtländische Hauptmulde, in welcher besonders devonische Ablagerungen vorhanden sind. Auch sie taucht nach Nordosten unter das Erzgebirgische Becken unter, ist jedoch südwestlich noch weiter zu verfolgen. Nordwestlich aber vom Ostthüringischen Hauptsattel liegt die Ostthüringische Hauptmulde, wo die tiefsten Schichten dem sich breit ausdehnenden Oberkulm angehören. Nordwärts wird diese Mulde von dem am Rande des Thüringischen Beckens ausstreichenden Zechstein und Buntsandstein überdeckt. Nordöstlich von Ziegenrück bestehen zahlreiche flache Mulden, in denen sich Wasser ansammelt, da der Boden durch Thonschichten undurchlässig ist. Daher erfreut sich das Auge hier an Hunderten von hell schimmernden Teichen, die mit ihrer teilweisen Waldumrandung der Landschaft einen um so größeren Reiz verleihen, als Thüringen und besonders sein Gebirgsland sonst arm an stehenden Gewässern ist. Merkwürdig sind auf der Strecke Burgk-Schleiz-Zeulenroda-Weida-Ronneburg-Altenburg Diabasdurchbrüche, die der Landwirtschaft nicht nutzbar sind, wenn sie mitten im urbar gemachten Boden vorkommen, und meist mit Eichen, Buchen und anderem Laubholz bewachsen sind. Im Nordosten von Gera nach den Flußthälern der Sprotte und Schnauder hin verliert sich allmählich das alte Gebirge, und es beginnt der fruchtbare Ackerboden des altenburgischen Ostkreises, der dann hinüberleitet in die Tieflandschaften der Sächsisch-Thüringischen Bucht.