Schleiz.

Die meist waldgekrönten Kuppen des Berglandes erheben sich im Durchschnitt nur bis zu einer Höhe von 500–600 m. Der Rosenpiehl (wohl von gleicher Namensbedeutung mit dem westlich der Saale gelegenen Roßbühl, denn Rossezucht war hier wahrscheinlicher als Rosenzucht) nördlich von Gefell erreicht noch 653 m. Die größeren Zuflüsse der Saale und Elster bieten bequemere Zugänge zum oberen Lande. Das Thal des bei Ziegenrück mündenden Plothenbaches entwässert den großen Plothenteich; das vielfach gewundene Wiesenthal führt hinauf zur 443 m hoch gelegenen Stadt Schleiz (5100 Einw.). Die Stadt ist die zweite des Fürstentums Reuß jüngerer Linie, aus einer gartenreichen Umgebung ansteigend zum Schloßberg und mit reger Fabrikthätigkeit. Die auf einer Anhöhe malerisch gelegene Bergkirche stammt in ihren ältesten Teilen aus dem XII. Jahrhundert und deutet auf die Anlage eines ehemaligen Kalvarienberges. Die spätgotische Kirche ist eine der belangreichsten Bauten der ganzen Umgebung. Nach Schleiz führte früher die von Leipzig und Gera kommende Hauptstraße und teilte sich dann, um einerseits nach Saalburg-Coburg, andererseits nach Hof zu führen. Heute ist die Stadt durch eine Eisenbahn mit der Hauptlinie Leipzig-Hof verbunden. Das an seinen Hängen meist mit Wald bekränzte Thal der Wetterau oder Wettera führt zum kleinen ebenfalls zu Reuß jüngerer Linie gehörigen Städtchen Tanna (1600 Einw.), in einer flachen Mulde 533 m hoch gelegen. Südlicher, im oberen Thal des Ehrlichbaches liegt die preußische Stadt Gefell (1360 Einw., zum Kreis Ziegenrück gehörig), wo früher auf Eisenstein gebaut wurde. Jetzt werden die benachbarten Ockergruben ausgebeutet.

Abb. 30. Pößneck.

Pausa. Zeulenroda. Weida.

Nach der Elster ergießt sich als bedeutendster Nebenfluß die etwa 4 km oberhalb des sächsischen gewerbfleißigen Städtchens Pausa (3300 Einw.) entspringende Weida. Das Städtchen besitzt ein Eisen- und Moorbad. Die Quelle der Weida liegt 467 m hoch, und ihr Abfluß rinnt zuerst durch einen teichbestreuten Wiesengrund, eingerahmt von wenig gewölbten nur 40–50 m höheren Hügeln. Von der thüringischen Grenze an durchströmt die Weida jedoch in vielen Windungen ein immer tiefer und enger werdendes Thal. Auf der Höhe zwischen der Weida und dem in anmutiger Thalung fließenden Triebesbach liegt die zu Reuß älterer Linie gehörige betriebsame Stadt Zeulenroda (9000 Einw.), von deren Bewohnern allein 500 im Alaunwerke wohnen. Der Ort erhielt erst in der Mitte des XV. Jahrhunderts Stadt- und Marktgerechtigkeit und zeigt neben Greiz und Gera mit vielen kleineren Plätzen Ostthüringens, daß die Industriethätigkeit sehr oft nicht mehr an die natürlichen Bodenreichtümer gebunden ist, sondern sich selbständig entwickelt hat und besonders an billige Arbeitskräfte anknüpft.

Abb. 31. Rathaus zu Pößneck.

Im Triebesthale ist der Hauptort das zu Reuß jüngere Linie gehörige Dorf Triebes (3550 Einw.). Nördlich davon liegt auf bewaldeter Thalflanke das fürstliche Schloß Reichenfels, in der Nähe der ebenfalls zu Reuß jüngere Linie gehörige Flecken Hohenleuben (1840 Einw.). Im Leubathale liegt das mehr als 3 km lange Langenwetzendorf (2400 Einw.). Die industrielle Thätigkeit nebst dem Landbau veranlassen hier und weiter in den Gebieten Sachsens und elsterabwärts eine dichtere Volkszahl, die sich auch in der dichteren Verteilung der Ortschaften bemerkbar macht und nur durch große zusammenhängende Wälder (Pröllwitzer Wald, Greizer Forst u. s. f.) unterbrochen wird. An der Mündung der Auma in die Weida erhebt sich die weimarische Stadt Weida (5900 Einw.), mit lebhafter Textilindustrie. Die Stadt war im Mittelalter bedeutend, wurde aber im dreißigjährigen Kriege zerstört, wovon heute noch Ruinen zeugen, besonders die aus dem XII. Jahrhundert stammende gotisch-romanische Liebfrauenkirche. Der als Sommerfrische besuchte Ort wird überragt vom Schlosse Osterburg, im XII. Jahrhundert erbaut, einst Sitz der Vögte von Weida, später Residenz des Herzogs Moritz Wilhelm von Zeitz. Als Eisenbahnknotenpunkt ist die Stadt auch verkehrswichtig.

Greiz.