Östlich vom Geraer Gebiet des reußischen Landes und vom preußischen Kreise Zeitz dehnt sich der Altenburgische Ostkreis aus, der östlichste Vorposten Thüringens. Der ganze Ostkreis ist ein von sanften Hügelwellen durchzogenes Gelände, das nach Norden und Osten sich in eine Ebene verflacht. Im Süden gibt es noch Grauwackenschiefer mit dünner Humusdecke, die Ursache der geringen Fruchtbarkeit des Ronneburger Bezirks. Dort kommen auch noch silurische und devonische Schichten vor, weiterhin auch etwas Buntsandstein, doch spielen die wichtigste Rolle die in der Eiszeit zugeführten Materialien, besonders der geschiebefreie Löß und Lehm des Diluviums, da auf seinem Vorhandensein die Fruchtbarkeit weiter Landstriche beruht. Der Boden ist hier tiefgrundig, und der Landbau ist auch vom Klima begünstigt, da es mild und ebenfalls dem Holzwuchse zuträglich ist. Die Thone finden Verwendung in der Ziegelfabrikation und Töpferei. Der Bezirk Schmölln hat noch minderwertigen Boden, aber der Diluviallehm zu beiden Seiten des Pleißenthales gibt den prachtvollsten Weizenboden.

Ronneburg. Schmölln.

Die altenburgische Stadt Ronneburg (6200 Einw.) treibt Industrie. Auf einem Diabasfelsen steht ein altes Schloß, und eine eisenhaltige Quelle dient zu Kurzwecken. Obgleich hier im Ronneburger Bezirke die ländlichen Ortschaften außerordentlich dicht liegen (im oberen Sprottethal kommt auf jedes Kilometer Entfernung fast ein Dorf), sind in diesem ehemaligen Siedelungsgebiete fränkischer, niederländischer, bayerischer und schwäbischer Kolonisten die Volkszahlen vieler Dörfer doch zurückgegangen, da auch hier wie in vielen anderen Umgebungen von Fabrikstädten ein Teil der ländlichen Bevölkerung in diese Städte auswandert. Im oberen Sprottegrund liegt das Dörfchen Löbichau mit schönem Garten, Schloß und Erinnerungen an Körner, Tiedge und Jean Paul. Die Stadt Schmölln (9800 Einw.) ist durch lebhafte Textilindustrie ausgezeichnet, am wichtigsten ist für den Ort aber die Herstellung von Steinnußknöpfen, wobei etwa 2500 Personen beschäftigt sind, die wöchentlich über 7 Millionen Stück Knöpfe anfertigen. An der Haupteisenbahnlinie Leipzig-Hof liegt im Thale der Pleiße die altenburgische Industriestadt Gößnitz (5500 Einw.) mit vielen Fabriken.

Von den vielen Fabrikabwässern hat das Pleißenwasser eine tintenartige Färbung, und wenn Schiller mit besonderer Andeutung auf Leipzig von der Pleiße sang:

»Flach ist mein Ufer und seicht mein Bach, es schöpften zu durstig
Meine Poeten mich, meine Prosaiker aus«,

so würden heute seine Worte noch ganz anders lauten.

Altenburg.

Die Sprotte entspringt in den Teichen der reußischen Wüstung Werteln und mündet bei Saara in die Pleiße. Die Pleiße selbst berührt nur auf einer kurzen Strecke ihres Laufes altenburgisches Gebiet, da sie erst oberhalb Gößnitz eintritt, bei Regis, der kleinsten Stadt (1050 Einw.) des Königreichs Sachsen, dies Gebiet wieder verläßt. Einige Kilometer westlich der Pleiße, inmitten eines fruchtbaren Ackergebiets, erhebt sich die Hauptstadt Altenburg (33400 Einw.), beherrscht von dem auf hohem Porphyrfelsen ragenden Residenzschlosse, dessen älteste Teile aus dem XI. Jahrhundert stammten, das aber nach zahlreichen Bränden teils 1706 bis 1744, teils von 1865–1868 neu erbaut wurde. Das Schloß ([Abb. 34]) war der Schauplatz des in der Einleitung erwähnten Prinzenraubes. In der Nacht vom 7. zum 8. Juni 1455 raubte Kunz von Kaufungen die sächsischen Prinzen Ernst und Albrecht, die Söhne des Kurfürsten Friedrich des Sanftmütigen, um beim Kurfürsten seine Forderungen durchzusetzen. Kunz hatte zwei Mitschuldige, und der Verabredung gemäß sollten sich die Verschworenen trennen, um auf verschiedenen Wegen nach dem Kunzschen Schlosse Eisenberg zu gelangen. Nur eine Stunde von der Landesgrenze entfernt, wurde dem jüngeren Prinzen Albrecht während einer Rast im Walde Hilfe von einem Köhler, dessen Genossen durch den Klang der Hillebille herbeigerufen wurden. Der Prinz wurde befreit, Kunz gefangen genommen, und auf die Kunde hiervon gaben auch die anderen den gefangenen Prinzen Ernst frei. Die Abb. [35] und [36] zeigen deutlich die Veränderung und Vergrößerung der Stadt in 250 Jahren, die nicht nur Sitz der Landesbehörde ist, sondern sich auch einer bedeutenden Industrie erfreut. In der Nähe gibt es zahlreiche Steinbrüche und Braunkohlengruben. Der Handel ist bedeutend in Getreide, da der Altenburgische Ostkreis die Kornkammer Ostthüringens bildet und drei Viertel seines Flächenraumes angebaut ist, davon entfallen 66 vom Hundert auf Äcker und Gärten, 9 v. H. auf Wiesen. Die Stadt wurde urkundlich zuerst 980 erwähnt, wurde wahrscheinlich Mitte des XII. Jahrhunderts Reichsstadt, 1430 durch die Hussiten niedergebrannt, kam 1445 bei der Erbteilung an die Kurfürsten von Sachsen und wurde 1603 Residenz der älteren altenburgischen Linie des Ernestinischen Hauses, von 1826 an Sitz der neuen altenburgischen Linie.

Abb. 34. Schloß zu Altenburg.