Im östlichen Gebietsteile dehnt sich der Leina-Wald aus mit schönen Beständen von Fichten, Eichen und Buchen; westlich zwischen Gerstenbach und Schnauder die Fichten- und Buchenbestände des Kammer- und Luckaischen Forstes. Hier senkt sich das Gelände zu den parkähnlichen Wiesengründen der Schnauder, wo sich wieder einige bedeutende Siedelungen finden: die Stadt Meuselwitz (5300 Einw.), bekannt durch die reichen Braunkohlenlager ihrer Umgebung, und Wintersdorf (1000 Einw.). Die Braunkohlenförderung von 1500 Arbeitern in Sachsen-Altenburg beläuft sich jährlich auf 1¼ Mill. Tonnen im Werte von 2½ Mill. Mark. Bei dem nördlichsten altenburgischen Städtchen Lucka (1600 Einw.), das sehr gewerbefleißig ist, siegten 1307 die thüringischen Landgrafen über die Kaiserlichen unter Philipp von Nassau. Die Thone des Pleißenthales werden in Plottendorf bei Treben zu Röhren verarbeitet. Nördlich davon schimmern die fischreichen Haselbacher Teiche.
VI.
Wir kehren vom Rande der Niederung zurück zu den duftigen dunklen Nadelwäldern, an die felsigen Ufer der oberen Saale und wandern dann zur Höhe empor, wo sich das Gebirge zu massigen, breiten Buckeln aufbaut. Schiefer ist der Boden, der den Wald trägt, und mit seinen Platten sind die Häuser der Ortschaften bekleidet, ihnen damit ein besonders ernstes Gepräge verleihend. Ernst ist auch die Thätigkeit der Bewohner dieser Waldorte, mögen sie nun den Schiefer in nutzbringender Form verarbeiten, oder mögen sie Glas blasen oder Spielsachen fertigen, aber ein gütiges Geschick begabte sie mit Fröhlichkeit und leichtem Mut, auch wenn es ihnen sonst manches vorenthielt.
Abb. 35. Altenburg um 1650 (nach dem gleichzeitigen Stiche von Merian).
Frankenwald.
Zwischen der oberen Saale, dem Münchberger Gneisgebiet, dem Triasstreifen Neuenmarkt-Stadt Steinach-Kronach und den Thälern der Haßlach und Loquitz erhebt sich der südöstlichste Teil Thüringens, das meist karbonische Schieferplateau des Frankenwalds. Durch zahlreiche enge und tiefe Thalfurchen ist es in eine Menge rückenförmig gestalteter Berge zerteilt. Von oben erscheint daher die Landschaft eben oder hügelig, besonders in der Richtung von Südwest nach Nordost, während nach anderen Richtungen die steilen Gehänge der Thäler die Zerrissenheit des Geländes erkennen lassen. Die Höhe des Kammes bleibt fast immer die gleiche und erreicht durchschnittlich 690 m, die Länge des ganzen Frankenwalds ist zu 45 km anzunehmen; der Rennsteig, soweit er den Frankenwald entlang läuft, mißt von Blankenstein an der Saale bis zur Eisenbahn Probstzella-Hochstadt nur 29 km. So einförmig aber auf den ersten Blick das Gebirge erscheint, so mutet es doch an wegen seiner ausgedehnten Nadelwälder, in denen die ganz mit Schiefer bekleideten Häuser und die zahlreichen hohen Schieferhalden sich etwas düster ausnehmen. Herrlich ist der Blick in die Thäler, hinter denen sich die Bergmassen kulissenartig zusammenzuschieben scheinen, und auch von den flachwelligen Stufen des nördlichen Frankenwaldes, wenn man plötzlich die Thaleinschnitte der Saale oder Sormitz farbenprächtig zu seinen Füßen schimmern sieht.
Bayerischer Teil des Frankenwaldes.
Von der oberen Saale im kurzen Thale des Pulschnitzbaches aufwärts wandernd, erreicht man die bayerische Stadt Münchberg (4800 Einw.), am Nordfuß des 583 m hohen Eisenbühl, von wo eine Zweigbahn hinüber führt nach Helmbrechts (4450 Einw.). Unweit des 707 m messenden Hohberges entspringt die Selbitz und scheidet die Ostabdachung des Frankenwaldes in eine westliche und östliche Hälfte. Unweit Schauenstein (1150 Einw.), das etwa 80 m über dem Flußthale liegt, mündet der Döbrabach, der in der Nähe des nadelwaldbestandenen sargähnlichen 794 m hohen Döbraberges entspringt. Vom Aussichtsturm des Berges übersieht man das ganze Gebiet des Frankenwaldes und das Fichtelgebirge, im Osten erkennt man bei klarem Wetter das Erzgebirge, im Westen die Feste Coburg und die Gleichberge bei Römhild, im Norden den Kulm und Wetzstein. Im Gneisgebiete zeigt das Selbitzthal noch keine schroffen Formen, die erst eintreten, wenn das Schiefer- und devonische Gebiet durchströmt werden. In Selbitz (1800 Einw.), erreicht die Zweigeisenbahn von Hof das Selbitzthal, um dann über Naila (2300 Einw.) nach Marxgrün zu führen. Naila ist ein lebhaftes bayerisches Städtchen, in dessen Nähe sich Marmorbrüche finden, sowie das Eisenhüttenwerk Oberklingensporn und das Hammerwerk Unterklingensporn. In der Mulde des Stebenbaches liegt das kleine Stahlbad Steben. Der untere Teil des Selbitzthales hat den übertriebenen Namen Höllenthal, ist aber mit seinem rauschenden Wasser und den fichtenbewachsenen Steilwänden sehr anmutig. Auf kahler Höhe liegt das bayerische Städtchen Lichtenberg (770 Einw.).